Der Cudi Dagh und das Ende der Sintflut

Mein Videovortrag für das Arche-Noah-Symposium ISMANA 2026 in Agri

15. Oktober 2026

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Heute, am 15. Oktober 2026, begann an der Ibrahim-Çeçen-Universität in Agri das 8. Internationale Symposium über den Berg Ararat und die Arche Noah (ISMANA 2026). Dafür hatte ich ein Abstract eingereicht und ich erhielt die Einladung, eine Präsentation darüber zu halten: »Cudi Dagh as a Possible Landing Place of Noah’s Ark and Its Significance for the End of the Flood«. Da ich mich sehr kurzfristig angemeldet hatte, konnte ich nicht persönlich nach Agri reisen – deshalb habe ich einen zehnminütigen Videovortrag produziert und eingeschickt.

Auf das Symposium aufmerksam gemacht hatten mich Randall Younker und Doug Zinke von der Andrews University, die im September meinen Vortrag auf der Fachtagung Geowissenschaften in Wuppertal gehört hatten. Bemerkenswert: Agri liegt am Fuß des Agri Dagh, des traditionellen »Ararat« – und doch wird der Cudi Dagh auf diesem Symposium in mehreren Beiträgen diskutiert, unter anderem in Randall Younkers Hauptvortrag »Studies on Mount Ararat and Mount Judi«.

Poster des 8. Internationalen Symposiums über den Berg Ararat und die Arche Noah (ISMANA 2026) in Agri

Der Vortrag als Video

Der Vortrag ist auf Englisch; Untertitel auf Deutsch, Englisch und Türkisch lassen sich über das Untertitel-Symbol im Player auswählen.

Die Kernaussagen in Kürze

Das »Ararat-Problem«: Die Gebirge Anatoliens wurden im Tertiär aufgefaltet; der Agri Dagh selbst ist ein junger Vulkan, aufgebaut auf Flutsedimenten. Auch kreationistische Geologen wie Andrew Snelling folgern daraus, dass die Arche auf einem anderen Berg der Region gelandet sein muss. Der deutsche Geologe Manfred Stephan nannte dies das »Ararat-Problem«. Die Bibel spricht genau genommen von den »Bergen von Ararat« in der Mehrzahl – es handelt sich um eine Region, nicht um einen einzelnen Gipfel.

Eine Überlieferung durch die Jahrhunderte: Die Tradition, die auf den Cudi Dagh bei Sirnak und Cizre weist, ist bemerkenswert durchgehend: Schon Keilschrifttexte lassen vermuten, dass der Cudi Dagh gemeint ist. König Sanherib ließ am Berg Reliefs anbringen, Berossos und Josephus berichten von Resten der Arche in den gordyäischen Bergen, die aramäische und syrische Bibeltradition gibt »Ararat« mit Qardu wieder, im 4. Jahrhundert entstand ein Kloster auf dem Gipfel, der Koran nennt den al-Cudi, und Ali Ibn al-Athir verortet ihn »im Land von Mossul«. Bis heute findet dort ein Pilgerfest statt.

Die Geologie: Der Geologe Friedrich Bender beschrieb den Cudi Dagh als »südvergente Antiklinale« aus jurassischen und kretazischen Kalken. Nach meinem im Buch und beim Vortrag in Wuppertal vorgestellten Modell wurde dieser Kalk im Mesozoikum vor der Flut abgelagert und im Tertiär – möglicherweise während der Flut – aufgefaltet. Als die Arche landete, waren die Bedingungen erfüllt: stabiler Fels, abgeschlossene Faltung, ein durch Erosion geformter Berg. Die Tigris-Terrassen entstanden erst im Quartär, als die Wasser abflossen. So lässt sich das Ende der Flut plausibel mit dem Übergang vom Tertiär zum Quartär korrelieren – eine Antwort auf das Ararat-Problem.

Der Beginn der Flut: Er lässt sich nicht am Cudi Dagh festmachen. Als Arbeitshypothese schlage ich die Kreide-Tertiär-Grenze vor – mit dem großen Einschlag und dem Aussterben der Dinosaurier. Das würde viele Probleme der Modelle lösen, die ein einziges Flutjahr als Ablagerungszeitraum fast aller Gesteinsschichten annehmen.

Fazit: »Wenn es die Arche gab, ist der Cudi Dagh der Kandidat, der beidem gerecht wird: Geschichte und Geologie.« Wenn jedoch Belege für die Arche am Agri Dagh oder an der Durupinar-Formation gefunden würden, wäre das eine großartige Entdeckung – dann würde ich einer der Ersten sein, die ihre Meinung ändern. Bis dahin hat der Cudi Dagh meines Erachtens die wesentlich besseren Argumente.

Wie geht es weiter?

Derzeit arbeite ich an meinem ausführlichen Beitrag für den Tagungsband. Die deutsche Fassung werde ich vorab hier auf bibelabenteurer.de veröffentlichen.

Timo Roller

Siehe auch: Videoaufnahme meines Vortrags beim Ibn-al-Athir-Symposium in Sirnak 2025 (englisch) und »Die Suche nach der Arche Noah« in IDEA (6. Oktober 2026)

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