Freiheit – Gefühl oder Gewissheit?

Gedanken zum Monatsspruch im Oktober 2026

27. Oktober 2026

Freiheit ist ein wertvolles Gut. Beim Joggen den Blick frei über die Sulzer Fluren schweifen lassen; im Kurzurlaub vom Höhenzug über die herrliche Landschaft rund um Appenzell. Dort in der Erinnerung daran, dass ich genau fünf Jahre zuvor meine Freiheit von der Krebserkrankung feiern durfte.

Links herbstliche Felder in der Nähe von Sulz am Eck, rechts eine Kapelle auf einem Höhenzug im Appenzellerland

Bewegungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Glaubensfreiheit – Errungenschaften, die uns unser deutsches Grundgesetz verspricht und die uns eigentlich viel zu selbstverständlich geworden sind. In den meisten Ländern der Erde ist das ganz anders.

Und doch spürt man auch hierzulande immer mehr Einengung. Was sollte man tatsächlich noch sagen oder schreiben? Laut einer Umfrage im Oktober 2025 finden nur 46 Prozent der Befragten, dass man seine politische Meinung in Deutschland frei äußern könne. 44 Prozent geben an, dass man dabei besser vorsichtig sein sollte. Welche Symbole des Glaubens sollte man besser verstecken? Wer traut sich in manchen Stadtzentren raus mit Kippa und Davidstern? Wo hält man sich doch eher mit Unbehagen auf, möglicherweise aus Angst vor Rassismus, Kriminalität oder Belästigung? Auch die Zukunft scheint weniger frei vor uns zu liegen, als sich dies noch vor wenigen Jahren angefühlt hat.

Und ganz persönlich: Oft reicht die Zeit nicht, um sich Freiheiten im Alltag zu nehmen. Finanzielle Freiheiten sind nicht immer selbstverständlich, viele Pflichten fordern und belasten uns. Zeitdruck verursacht Stress. Wie frei bin ich tatsächlich?

Der Monatsspruch für Oktober 2026 lautet: »Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!« (Galater 5,1)

In der Zeit, als der Apostel Paulus dies schrieb, gab es sicherlich weniger individuelle Freiheiten als heute. Das Leben vieler Menschen war fremdbestimmt, vorgezeichnet. Im Kapitel davor erwähnt Paulus Jerusalem, »das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt« (Galater 4,25). Streng wurde auf die Einhaltung von Gesetzen geachtet, Macht wurde konsequent ausgeübt.

Paulus geht es um die Freiheit von der Knechtschaft des Gesetzes – und der Schuld. Die Schuld ist es, die dem Menschen wirklich die Freiheit nimmt. Und von dieser Knechtschaft hat uns Christus zur Freiheit befreit.

Doch so viele Dinge wollen uns erneut das Joch der Knechtschaft auferlegen, Einflüsse von außen, Zwänge und Süchte von innen. »Steht nun fest!« Wenn das so einfach wäre.

Martin Luther sprach von der Freiheit eines Christenmenschen (1520): »Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.«

Christen können sich durch ihre Freiheit jedermann untertan machen und dienen. An anderer Stelle (Matthäus 11,29+30) fordert uns Jesus auf, ein anderes Joch zu tragen. Sein Joch. Es ist leicht, denn er trägt mit.

Selten fühle ich mich wirklich frei. Im Büro kreisen mir manchmal die verschiedenen Projekte geradezu im Kopf herum. Sorgen bedrücken mich. Krankheit und Vergänglichkeit kommen immer wieder ins Blickfeld, manchmal erschreckend nah. Daher sind solche Freiheitsmomente wie auf den Fluren und in den Bergen immer wieder wichtig, um Freiheit zu spüren. Aber Freiheit sollte mehr sein als ein Gefühl. In Christus darf Freiheit in uns eine Gewissheit sein.

Selten fühle ich mich wirklich frei. Aber eigentlich habe ich allen Grund dazu!

Timo Roller

Siehe auch: Gedanken zu den Monatssprüchen im September 2026 (Ruhe und Gelassenheit statt Haschen nach Wind), im August 2026 (Der gute Hirte, Fülle und Freiheit) und im Juli 2026 (Amos und der richtige Gottesdienst)

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