Der gute Hirte, Fülle und Freiheit

Gedanken zum Monatsspruch im August 2026

4. August 2026

»Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.« – Das ist der Monatsspruch für August 2026 aus Johannes 10,10. Luther übersetzte den Schluss so: »… damit sie das Leben haben und volle Genüge.«

Ich hab mich irgendwie gewundert, dass man Fülle mit »F« schreibt und voll mit »V«, aber vielleicht passt das auch ganz gut. Nicht nur eins, sondern auch das andere. »Volle Genüge« ist ein ungewöhnlicher Ausdruck, aber ich denke, es bedeutet einfach: Mehr als genug, übervoll. So ist Jesus.

Im Juli ging es bei meinen Gedanken zum Monatsspruch um Amos – einen Propheten, der vor seiner Berufung selbst Schafe gehütet hat. Diesmal geht es um den Hirten selbst, denn über Johannes 10 steht: »Der gute Hirte«. Das Kapitel handelt von einer Gegenüberstellung: Der gute Hirte und der Fremde, der Räuber, der Dieb – und dem Umgang mit den Schafen.

Jesus als guter Hirte auf einem Fresko des 3. Jahrhunderts in Rom.
Jesus als guter Hirte auf einem Fresko des 3. Jahrhunderts in Rom (Calixtus-Katakombe). Foto: gemeinfrei aus Wikipedia

Das Leistungshüten beim Schäferlauf ist dieses Jahr ausgefallen. Trotzdem wurde bei einem Schauhüten gezeigt, welche besonderen Fähigkeiten ein Schäfer hat, der mit seinen Hunden die Schafe hütet und sie auf dem richtigen Weg leitet. Beim Leistungshüten ist der Kontrast sicherlich viel weniger groß als in Johannes 10, es gibt gute Hirten und sehr gute Hirten.

In Johannes 10 ist das Kontrastprogramm viel größer. Zwischen dem, der die Herde ausbeutet, und dem, der ihr das Leben gibt, liegt kein Leistungsunterschied, sondern ein Abgrund.

»Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.« – Der gute Hirte kümmert sich um die Schafe. Das ist der zweite Teil von Vers 10. Der erste Teil spricht von einem falschen Hirten: »Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen.« Er beutet die Herde aus.

Es ist immer wieder erfrischend, Psalm 23 zu beten – wie gut es uns als Schafe geht, wenn wir den richtigen Hirten haben. Wir können aus dem Vollen (mit »V«), aus der Fülle (mit »F«) schöpfen. Wie Johannes 10 enthält bereits dieser Psalm Davids dieses schöne Bild Gottes als guter Hirte: Mir wird nichts mangeln! Er führet mich zum frischen Wasser! Es gibt nicht nur gute Zeiten, auch dunkle Täler, aber er geht mit uns hindurch.

Vor fünf Jahren, am 3. August 2021, hatte ich meine Krebsbehandlung hinter mir und habe diesen Tag für mich »Tag der Freiheit« genannt. Damals schrieb ich, dass ich diesen Tag vielleicht besonders feiern würde, wenn es mir in fünf Jahren noch gut gehen würde. Es geht mir gut. Der Hirte ist mit mir durchs finstere Tal gegangen – und bis heute geht er mit mir. »Freiheit« und »Fülle« – zwei schöne Wörter mit »F«!

Er tröstet uns im Leid – und wenn wir Feinde haben, deckt er sogar einen Tisch für uns vor ihnen. Er schenkt uns voll ein! Gutes und Barmherzigkeit werden uns folgen unser Leben lang, und wir werden bleiben im Hause des HERRN immerdar. Es lohnt sich, heute – besonders in dieser Ferien- und Urlaubszeit – die Bibel zu nehmen, Psalm 23 aufzuschlagen und zu beten: »Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …«

von Timo Roller, Mitarbeiter-Impuls bei der Kreativwerkstatt 2026 in Sulz am Eck

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