Meine Hiobsbotschaft

von Timo Roller

16.3.2021, letztes Update vom 23.7.2021 (siehe unten)

»Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?« (Hiob 2,10)

Das bisherige Jahr 2021 hat mein Leben umgekrempelt: Immer wieder heftige Bauchschmerzen, ein Tumor am Darm, eine Operation – und nun eine anstehende Chemotherapie; mein Fokus wurde komplett verschoben. Es ist ungewiss, was die nächsten Wochen und Monate bringen. Ich möchte zuversichtlich sein, doch das gelingt nicht jeden Tag.

In den letzten Jahren bin ich mit dem Flugzeug über die Gipfel von Noahs Landeplatz in der Südosttürkei geflogen, bin in den Tiefen Jerusalems durch die dunklen Gänge Hiskias gegangen, bin auf den Trümmerfeldern in Haran, wo einst Abraham lebte, gestanden. Ich habe mich als Bibelabenteurer bezeichnet, weil ich sowohl physisch als auch geistlich versucht habe, den Personen, Ereignissen und Orten der Bibel nachzuspüren.

2020 hatte sich einiges geändert, wegen Corona mussten wichtige Reisen abgesagt werden, nach Israel und auch in die Türkei zum Arche-Berg. Für den Spätsommer 2021 haben wir eine Studienreise zum Thema Archäologie nach Israel geplant. Ich weiß nicht, ob sie wird stattfinden können. Doch nun, während immer noch Corona unser Leben bestimmt und Expeditionen unwahrscheinlich erscheinen, steht mir eine ganz andere Reise bevor: Eine Reise, die ich hier in der Heimat antreten muss, eine Reise auf den Spuren Hiobs.

Oft und intensiv habe ich mich in der Vergangenheit mit diesem hochinteressanten Buch beschäftigt, theoretisch-theologisch wurde mir vieles daran klar. Gott ließ es zu, dass der Teufel den gläubigen und mit Wohlstand gesegneten Hiob herausforderte: »Da ging der Satan hinaus vom Angesicht des HERRN und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel.« (Hiob 2,7) – Nun erlebe ich eine Zeit, in der ich einen intensiveren, unangenehm direkten Zugang zu dieser Geschichte bekomme.

Seit mehreren Monaten hatte ich anhaltende Magen- und Darm-Beschwerden – zwischen leichtem Grummeln und heftigen Bauchkrämpfen – doch wir glaubten Anfang 2021, diesen »Reizdarm« mit den richtigen Diäten und ein wenig Geduld noch in den Griff zu bekommen. Allerdings hatte ich mittlerweile innerhalb von einem Jahr 20 Kilo abgenommen und wog nur noch 85 Kilogramm. Am Freitag, 22. Januar hatte ich schließlich nach einigen anderen Untersuchungen eine Computertomografie (CT) des Bauchbereichs, vielleicht würde sich daraus Konkreteres ergeben?

Es wurde sehr konkret und ab dem Montag darauf ging alles ziemlich schnell: Eine »Raumforderung« war festgestellt worden, abends noch ein Termin bei der Hausärztin. Am Mittwoch dann Onkologie – »Tumor«, »Krebs«, »Operation«: aus dem lästigen, aber doch noch eher harmlosen Bauchkrämpfe-Auf-und-Ab wurde ein lebensbedrohliches Schreckgespenst. Weitere Untersuchungen, Gespräche und ein OP-Termin in Nagold wurden vereinbart.

Den Chefarzt der Chirurgie traf ich am Freitag der gleichen Woche, von einem »neuroendokrinen Tumor« war inzwischen die Rede, von möglicher Entfernung eines Darmsegments, im schlimmsten Fall künstlicher Darmausgang. Erst während der OP könne das entschieden werden. Vom dann entfernten Gewebe würden weitere Maßnahmen abhängen. Ende des Leidenswegs? Beginn einer Chemotherapie und jahrelang immer wiederkehrender Ungewissheit von Krebsuntersuchungen? Ich kannte das von Bekannten und von meinen Eltern. Aber es ist völlig anders, wenn es einen selbst betrifft.

»Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!« – Diesen Vers aus Psalm 31 ließ ich auf die MORIJA-Weihnachtskarte 2020 drucken. Auch »Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.« aus Psalm 91 wurde mir in diesen Tagen – wie auch schon im ganzen Corona-Jahr – vor Augen gestellt. Und bei der Fahrt zum Gesprächstermin sah ich neben der Burgruine Hohennagold einen Regenbogen! Der Bund Gottes mit Noah. Aus dem Nagolder Krankenhaus blickte ich immer wieder hinüber auf den Schlossberg, den diese Ruine krönt.

Die Burg Hohennagold. Und ich selbst, vor der Operation, mit 20 kg weniger als vor einem Jahr.

Die Operation am 9. Februar dauerte 4,5 Stunden. Der Tumor wurde entfernt, auch ein 50 cm langes Stück des Dünndarms inklusive des Übergangs zum Dickdarm. Ich erholte mich gut, fünf Tage später wurde ich entlassen. Die Verdauung stellte sich auf die neue Situation ein (mehr oder weniger gut), die Beschwerden waren weg und die Wunden verheilten.

Aufatmen und erholen war angesagt. Ein Spaziergang zur Burg – mit Blick in die andere Richtung, hinüber zum Krankenhaus. Und der Tumor? Der Befund sollte sich verzögern, es sei etwas anderes, ich müsse womöglich 14 Tage warten.

Seit dem 1. März weiß ich inzwischen, dass mir eine weitere Behandlung bevorsteht. Der entfernte Tumor war ein ziemlich aggressives »diffuses großzelliges Lymphom« und die Gefahr besteht, dass wieder etwas ausbricht. Es steht nun eine kombinierte Chemo- und Antikörper-Behandlung bevor, die bis in den Sommer hinein dauern wird. Da kann es durchaus heftige Nebenwirkungen geben und ich werde wahrscheinlich nur eingeschränkt handlungsfähig sein. Die Heilungschancen sind aber recht gut.

Am 22. März werde ich nochmals mithilfe eines PET-CTs gecheckt: Was machen die aggressiven Zellen im gesamten Lymphsystem meines Körpers? Brauche ich die volle Behandlung oder reicht eine verkürzte Therapie? Am 30.3. geht es dann los: Ich bekomme die erste Dosis des Antikörpers Rituximab verabreicht, einen Tag später die Chemo. »R-CHOP« nennt sich diese Behandlung. Nach drei Wochen wieder.

Emotional ist es nicht einfach, das zu verarbeiten. Ich habe anfangs mit Hiskia gefleht: »Ach, HERR, gedenke doch, dass ich vor dir in Treue und mit rechtschaffenem Herzen gewandelt bin und getan habe, was dir wohlgefällt. Und Hiskia weinte sehr.« (2. Könige 20,3) – ich weinte auch, desöfteren. Und es kommt immer wieder. Vor Angst. Vor Rührung für Segenswünsche und Gebetszusicherungen. Vor Dankbarkeit für alles, was ich habe, erleben durfte und auch in Zukunft noch intensiver genießen will.

Die Endlichkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens wurde mir in den letzten Tagen und Wochen sehr bewusst. Und auch, dass eigentlich sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft damit leben müssen, nicht mehr lange am Leben zu sein. Jeder 80-Jährige müsste sich im Klaren sein, dass er in 10 Jahren vielleicht nicht mehr da sein wird. Ist das so?

Bin ich selbst in 10 Jahren noch am Leben? Unterbewusst ging ich bisher im Alltag davon aus. Aber wird es tatsächlich so sein? Wird mich der Krebs besiegen? Wird mich ein Unfall irgendwann plötzlich aus dem Leben reisen? Oder Corona? Wird die Gesundheit, das Alter mich weiter beeinträchtigen? Wie werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahr 2031 sein?

»Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.« heißt es in Psalm 90,12. Wie oft hat man das schon aufgesagt und auch darüber nachgedacht! Viel zu oberflächlich?

Vielleicht werde ich eines Tages – in mehreren Monaten – mit Hiob sagen können: »Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.« (Hiob 42,5) – Vielleicht wird es mir bald wieder viel besser gehen; am Ende des Buches Hiob steht: »Und der HERR segnete Hiob fortan mehr als zuvor.« (Hiob 42,12)

Ich weiß nicht, was kommt. Niemand weiß es. Mein Leben liegt in Gottes Hand. Das war bisher so, auch wenn ich das zu oft verdrängt habe. Ich werde diese schweren Gedanken auch in Zukunft wieder verdrängen und eine Art Alltag wird zurückkehren. Aber sie werden sicherlich oft und stark wiederkehren: während und nach meiner Chemo. Die Unsicherheit wird bleiben und sie wird präsenter sein als zuvor: Was wird die nächste Untersuchung zeigen? Ist der Krebs besiegt? Kommt etwas Böses zurück?

Es geht dem Ende entgegen, unweigerlich und unaufhaltsam, das muss uns klar sein. Und dann? Sind wir nach Psalm 90 klug geworden, wenn wir bedenken, dass wir eines – hoffentlich fernen – Tages sterben müssen? Und wissen wir, dass nach dem, was Jesus Christus verheißen hat, der Tod nicht das Ende sein wird? »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.« (Johannes 17,3)

Nutzen und genießen wir die Tage, die uns hier in diesem Leben zur Verfügung stehen!

Update vom 22.3.2021

Aufgrund einer technischen Panne wurde die für den heutigen Montag geplante PET-CT-Untersuchung kurzfristig auf den Donnerstag, 25.3., verschoben.

Die erste Chemo, Jesaja, Sonnenschein und Eis – Update vom 1.4.2021

Der erste Therapiezyklus ist überstanden, die erste Gabe Rituximab am 30. März erzeugte nur ganz leichte Nebenwirkungen, die Chemo-Infusion am 31. März scheint mein Körper auch sehr gut verkraftet zu haben – bisher zumindest. Ich habe viel getrunken, den Kreislauf tagsüber bei herrlichem Sonnenschein in Schwung gebracht und in der Nacht ganz gut geschlafen. Mit einem offensichtlich guten Befund des PET-CTs, das am 25. März problemlos in Tübingen nachgeholt werden konnte, gehe ich gerade mit großer Zuversicht auf die Oster-Feiertage zu.

»Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, damit dich die Ströme nicht überfluten.« – Dieser Vers hat mich durch die beiden Behandlungstage begleitet. Als ich mit Hiskia geweint habe, flehte ich Gott an, dass er mir doch einen Jesaja schickt – so wie damals, als der Prophet die gute Nachricht von Gott überbrachte, dass König Hiskia wieder gesund werden sollte.

Nun war mir dieser Vers wieder eingefallen, ich habe ihn als »Jahreslos« am 1. Januar 2021 bekommen, also quasi als Zusage Gottes, die mich durchs Jahr begleiten sollte. Damals, am Jahresanfang, war noch nicht klar, in welchem Ausmaß ich »durch Wasser gehen« würde. Dieser Vers – ich musste ihn wieder suchen und nachschauen – stammt aus dem Buch Jesaja! Ein ermutigender Gedanke: Gott hatte mir also meinen Jesaja mit der guten Nachricht bereits vorbeigeschickt, bevor ich um ihn gebeten habe!

Ein Eis im Sonnenschein nach dem ersten Therapiezyklus: neue Zuversicht – Ostern kann kommen!

»Im Lande der Lebendigen« – Update vom 13.4.2021

»Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.« – Dieser Vers 9 aus Psalm 116 hat mich (natürlich!) in der Bibellese am Sonntag besonders angesprochen. Wahrscheinlich hatte der Psalmschreiber mit größeren Herausforderungen zu kämpfen als ich, als er schrieb: »Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; ich kam in Jammer und Not« (Vers 3).

Und doch fühlte ich mich verstanden und angerührt. Der Psalm mit dem »Dank für Rettung aus Todesgefahr« ändert schnell seine Richtung und lenkt den Blick nach wenigen Versen auf unseren gnädigen und barmherzigen Gott. In seiner Livestream-Predigt aus dem Schönblick in Schwäbisch Gmünd predigte Hans-Joachim Eckstein am Sonntagmorgen unter anderem über die »Krise der Vergänglichkeit«, Jesu Jünger waren nach der Kreuzigung in Trauer und besannen sich zurück auf etwas, worin sie sich sicher waren: aufs Fischen. Ein typischer Reflex in der Krise, erklärte Eckstein (Predigttext: Johannes 21,1–14). Ich erkannte ähnliche Strategien bei mir selbst im Umgang mit »meiner« Krise der Vergänglichkeit.

Prinzipiell geht es mir in der Zeit nach dem ersten Chemo-Zyklus ziemlich gut – zwei Wochen sind seither vergangen, in einer Woche, am 20.4., geht es weiter. Einige Auf und Abs gab es dennoch in letzten Tagen. Kribbeln in den Fingern, ein trockener Gaumen, leichtes Kopfweh am Morgen und Antriebslosigkeit: Nebenwirkungen, denen man nachspürt. Man hört in sich hinein, schläft nicht immer besonders gut – was den Zustand nicht gerade verbessert. Dann habe ich am vergangenen Donnerstag bemerkt, dass mein Bartwuchs scheinbar aufgehört hat, nach mehreren Tagen seit der Rasur hatte ich nur leichte Stoppeln: Das »Gift« wirkt, die Zellteilung wird verlangsamt. Wann werden meine Haare ausfallen und nicht mehr nachwachsen?

Am Samstag war dann der bisher mieseste Tag, das Kopfweh blieb nach einer schlechten Nacht, nachmittags habe ich mich zum Joggen aufgerafft, zum dritten Mal seit der Chemo. Zweimal waren es je fünf Kilometer, heute dann nur 3,5. Aber trotzdem schien sich der Zustand danach zu verbessern, am Sonntag morgen fühlte ich mich sogar wirklich gut! Nach Bibellese, Online-Predigt und Mittagessen ging es auf Tour: Ich wollte sehen, wie die Natur aufblüht, Ziel war der Schönbuchrand, ich packte meine Kamera ein (Zurückbesinnungs-Reflex!).

Schon von weitem sahen wir, dass am Schönbuch noch nicht viel los war mit blühender Natur. Wir parkten dann schon zwischen Haslach und Herrenberg. Tatsächlich färbten viele Blumen die Wiesen, das Moos im Wäldchen strahlte in sattem Grün – und die Apfelbäume hatten zu blühen angefangen und lockten Bienen und Hummeln an. Neues Leben nach dem langen und (für mich besonders!) trüben Winter. Ein wahrer Spaziergang im »Lande der Lebendigen«. Ich fotografierte munter drauf los und tatsächlich entstanden ein paar hübsche Bilder.

»Die Krise ist Grundlage für das Erwachsenwerden der Jünger im Glauben«, so erklärte Eckstein die Ereignisse nach der Auferstehung, als Jesus seinen Jüngern in ihrer Trostlosigkeit begegnete. In der Krise haben sie sich – wie erwähnt – zurück auf ihr Handwerk besonnen, doch das Ergebnis ihres Fischzugs war niederschmetternd: nichts gefangen: nichts! Nicht einmal das, was sie eigentlich wirklich gut gekonnt hatten, klappte mehr. Bodenlose Hoffnungslosigkeit, in die Jesus hineinwirkte. Eine ermutigende Erkenntnis, obwohl es mir beim Fotografieren besser erging. :-)

Und so sind meine Blütenfotos ein Zeugnis dafür, dass unser Schöpfer immer wieder neues Leben entstehen lässt – und im übertragenen Sinne, dass nach der Krise der Kreuzigung in der Auferstehung Jesu eine ganz neue Perspektive geschaffen wurde. Und für mich persönlich, dass mich Gott nach (oder in) meiner Krise wieder ganz bewusst »im Lande der Lebendigen« wandeln lässt: »Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes« (Psalm 116,7).

Der Weg entlang einer Obstbaumwiese. Sonne und Regen bringen im Frühjahr neues Leben. Erst zaghaft eine Blüte, dann blüht bald der ganze Apfelbaum.

Weniger Haare auf dem Haupt, BioNTech-Impfung und die zweite Chemo – Update vom 22.4.2021

»Kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen.« – über diesen Vers aus Lukas 21 stolperte ich bei der Bibellese am 17. März. Die Chemotherapie stand mir damals noch bevor, verbunden mit der hohen Wahrscheinlichkeit, dass mir dabei die Haare ausfallen würden. Ich wollte diesen Vers damals aber trotzdem als persönliche Ermutigung verstehen!

Am letzten Samstag (17.4.) fühlte ich mich eigentlich bereits die ganze Woche über super, morgens waren jedoch auffällig viele Haare im Waschbecken. Kurz vor dem 2. Zyklus begann es also! Abends pieksten die zuletzt auf 7 Millimeter rasierten Stoppeln sogar meine eigene Kopfhaut. Seither verliere ich täglich viele Haare – dass »kein Haar verloren geht«, wird sich jedenfalls nicht erfüllen. Mal sehen, wie schlimm es wird.

7 Kilometer bin ich dann am Samstagnachmittag gelaufen, die letzte Sporteinheit. Es lief gut, 53 Minuten. Das kurbelt die Durchblutung an, dachte ich mir, vielleicht ist es nützlich gegen den Haarausfall!

Vor dem Impfzentrum in Tübingen – und nach einer 7-Kilometer-Runde zur besseren Durchblutung.

Am Sonntag fuhren wir dann nach Tübingen zur Paul-Horn-Arena. Ich hatte tatsächlich noch einen Impftermin ergattert. Man könne sich auch während der Therapie impfen lassen, meinte meine Onkologin, am besten zwei bis drei Tage vor der nächsten Chemo. Ich versuchte nochmals meine alten Registrierungscodes, mit denen ich im März vor der Chemo vergeblich einen Termin gesucht hatte. In Tübingen gab es sogar eine ganze Auswahl an Terminen! Ich nahm den Sonntagnachmittag. Impfstoff: AstraZeneca. Auf die Impfreaktion, die dabei heftig ausfallen kann, hatte ich wenig Lust und beschloss, nach BioNTech zu fragen. Das klappte auch, die ganze Prozedur lief wie am Schnürchen und auch die Nachwirkungen hielten sich sehr in Grenzen.

Bei aller Kritik, die man leider immer wieder gegenüber der Politik anbringen kann, an der Basis klappen viele Dinge in unserem Land doch sehr hervorragend, wohl auch dank vieler ehrenamtlicher Helfer, die sich mit viel Idealismus einsetzen – sogar sonntags. Noch vor wenigen Wochen hatte ich übrigens ein reserviertes Verhältnis gegenüber der Corona-Impfung, vor allem in Bezug auf die neuartigen mRNA-Impfstoffe. Als gesunder Mensch wollte ich sowieso nie viel Medizin zu mir nehmen. Aber nun? Skeptisch bleiben? Den Ärzten und Wissenschaftlern völlig vertrauen?

Mit meiner Lymphomtherapie habe ich mich intensiv beschäftigt, Fachliteratur und Studien gelesen. Die Kapazität auf dem Gebiet war (er verstarb 2018) Prof. Michael Pfreundschuh aus dem Saarland, er schrieb über die »Therapiefortschritte bei aggressiven Lymphomen« und begleitete auch weitere Studien, auf die sich meine Behandlung stützt (sie kann nun übrigens tatsächlich verkürzt werden!). Ein Mitarbeiter und Doktorand von Professor Pfreundschuh war ein gewisser Uğur Şahin, inzwischen berühmt geworden als Gründer von BioNTech und Corona-Impfstoff-Entwickler! Auch wenn manches schiefläuft in unserer Gesundheitspolitik und die Pharmaindustrie ein Riesengeschäft ist: die moderne Medizin ist ein großer Segen und bisher hat sich mein Vertrauen in die Ärzte bestätigt. Als Hiskia in seiner Krankheit zu Gott gebetet hatte und Jesaja ihm Heilung zusagte, war übrigens neben Gottes Wirken auch eine medizinische Behandlung im Spiel: »Und Jesaja sprach: Bringt her ein Pflaster von Feigen! Und als sie das brachten, legten sie es auf das Geschwür, und er wurde gesund.« (2. Könige 20,7)

Am Dienstag (20.4.) lief während der fünfstündigen Behandlung die zweite Dosis R-CHOP in mich hinein, fünf Wirkstoffe plus Zusatzmedikation. Die direkten Reaktionen hielten sich in Grenzen, ich trank wieder viel, bewegte mich, war aber abends müde und abgeschlagen. Die Nacht zum Mittwoch war dann schwierig, ich hatte heftiges Kopfweh und konnte nicht schlafen, nach dem Frühstück lief der Tag dann aber ganz ordentlich an. Heute geht es mir soweit gut, Nervenschmerzen in den Händen stören etwas – und der andauernde Haarausfall mit einem leichten Jucken überall.

Besonders ermutigt haben mich in den letzten Wochen – seit dem Start dieses Blogs – einige Rückmeldungen, die mich erreicht haben, wie zum Beispiel diese hier aus Österreich (in Auszügen): »Mit Schrecken habe ich von Ihrer Hiobsbotschaft gelesen. Ich bete für Sie und hoffe, dass Ihnen das Wort Gottes und Ihre bisherige Forschungsarbeit als Bibelabenteurer und das Leben in der Gemeinschaft mit dem lebendigen Herrn Jesus Christus Zuversicht, Kraft und Vertrauen schenken, diese schwere Zeit zu überstehen. Ich möchte Ihnen danken für Ihre Arbeit, die mich immer wieder begeistert und bestärkt, allem zu glauben, was in der Bibel steht. Besonders Ihr Buch über den Landeplatz der Arche Noah hat mich sehr geprägt und fasziniert. Ich möchte Sie ermutigen, nach überstandener Krankheit Ihre Arbeit weiterzuführen als Segen für viele Menschen. Der Herr segne Sie und möge Sie bald gestärkt aus dieser Krise führen.«

Gerade im Blick auf meine Arche-Noah-Forschung hat sich in den letzten Wochen und Tagen tatsächlich einiges bewegt: Am 25. Mai werde ich voraussichtlich – wegen Chemo und Corona digital – als Referent an einer Konferenz in der Türkei teilnehmen, die eigentlich schon im letzten Jahr hätte stattfinden sollen. Wenn mein Zustand nicht sehr viel schlechter wird, kann ich in der nächsten Zeit vielleicht manches lesen, forschen, schreiben, dann den digitalen Vortrag halten und Teil einer Veranstaltung sein, die nach 2013 wieder ein zaghafter Schritt werden könnte, den Berg Cudi als Arche-Berg bekannter zu machen.

Und so ist es vielleicht mehr als ein Zufall, dass am Dienstag – am Tag meiner Behandlung – der Losungstext eine Verheißung Gottes an Noah war: »Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier, dass hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.« (gekürzt aus 1. Mose 9,9–11)

Ein Vers, der damals auf die Zukunft ausgerichtet war. Und ein Bund, der den Regenbogen als Zeichen hatte, der auch mir immer mal wieder in wichtigen Momenten »über den Weg geschickt wurde«, zum Beispiel am Tag meines Gesprächs mit dem Chirurgen.

Die Bibel ist kein Orakelbuch, auch die Losungen sollte man nicht allzu »los-gelöst« aus ihrem Kontext lesen. Und doch kann Gott einen auch durch einzelne Verse immer wieder ansprechen, aufmuntern, zurüsten oder ins Stolpern bringen (Die Losung nach der schwierigen Nacht am Mittwoch lautete: »Siehe, ich habe dich geprüft im Glutofen des Elends.« Jesaja 48,10).

Insgesamt sollte man sich aber eher an den langen Linien orientieren, die sich durch die Bibel ziehen. Und dazu gehören natürlich die Bundesschlüsse, die Gott mit uns Menschen eingegangen ist: Den Noahbund, der durch den Regenbogen symbolisiert war, den Alten Bund mit seinem Volk Israel – und den Neuen Bund, durch den Gott ein endgültiges Opfer durch Jesus gebracht hat, um unsere Sünde auf sich zu nehmen und unser Leid mitzutragen.

Der Vers mit dem »Haarausfall« steht in der Endzeitrede, Jesus ermutigt darin seine Nachfolger, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden würden. Im direkt darauffolgenden Vers heißt es: »Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen.« – Dass es dabei nicht nur um das diesseitige Leben geht, wird ein paar Verse zuvor klar, wenn Jesus sagt: »man wird einige von euch töten.«

Dieses ewige Leben, auf das die Heilslinien der Bibel hinweisen, ist das Ziel, das es im Auge zu behalten gilt. Ich hoffe natürlich, dass für mich das irdische Leben noch vieles bereithält, aber das Leben mit Jesus ist auf die Ewigkeit ausgerichtet – und da ist es ein kleines Übel, wenn das eine oder andere – oder auch alle – Haare auf meinem Haupt (hoffentlich nur vorübergehend!) verlorengehen.

Update vom 28.4.2021

Eine Woche nach dem letzten Chemo-Zyklus geht es mir insgesamt sehr gut. Nachdem der Haarausfall dazu geführt hat, dass immer und überall kurze Haare von mir herumlagen, habe ich mich am Freitag zu einer neuen Frisur entschlossen: Ich habe mir eine Glatze rasiert. Psychologisch war das im Nachhinein eine ganz gute Sache, denn anstatt überall Härchen herumliegen zu sehen, die vom Haarausfall zeugen, wachsen mir schon ganz zaghaft einige Stoppeln nach. Und da die Körperbehaarung bisher nicht betroffen ist, sieht das Ganze gar nicht so schlimm aus. Zwei neue Mützen und ein Hut schützen die sehr blasse Kopfhaut vor allzu heftiger Sonneneinstrahlung. :-)

In den letzten Tagen habe ich mich – neben etlichen Formularen, die es während einer solchen Krankheitsphase braucht, um diverse Ansprüche geltend zu machen – mit den Vorbereitungen zum (Online-)Symposium am 25. Mai in der Südosttürkei beschäftigt, mal sehen, ob es tatsächlich stattfinden wird.

Voller Wasser, Gedanken und Chemie – Update vom 14.5.2021

Der Tag meiner dritten Chemobehandlung war am Dienstag. Wieder ein sehr spezieller Tag! Es ging mir zuvor richtig gut, körperlich ganz fit, am letzten Freitag noch acht Kilometer gelaufen. Der Haarausfall ist ein deutliches äußeres Zeichen, die Blutwerte waren auf Berg- und Talfahrt, Dranbleiben an anspruchsvollen Tätigkeiten ist nicht so einfach. Viele Formulare, Umsatzsteuer-Voranmeldung und Kommunikation bezüglich wichtiger Projekte, manche Dinge müssen trotz eingeschränkter Leistungsfähigkeit am Laufen gehalten werden.

Nun sollte ich dringend mal wieder etwas schreiben! Vielleicht warten manche schon darauf. Danke fürs Drandenken und für jedes Gebet! Doch gerade fällt es mir echt schwer, sinnvoll Worte aneinanderzureihen. Viele Gedanken kreisen unsortiert in meinem Kopf. Eigentlich ist alles gut. Und doch irgendwie »besonders«.

Ein gelungener Schnappschuss beim morgendlichen Spaziergang: Was nimmt die Biene alles in sich auf? Nahrung? Chemie? Sie ist fleißig und tut Gutes. Und ich?

Am Dienstag, während und nach der Behandlung, habe ich wieder viel getrunken. Sehr viel! Man kann irgendwann kein Wasser mehr sehen. Auch Limonade nicht. Aber die Chemie muss raus, zur Begleitmedikation gehört ein Mittel, das die Blase schützt! Vieles durcheinander gegessen habe ich auch. Fit und aufgedreht war ich bis zum Abend, habe sogar noch zwei Stunden an einer Online-Sitzung teilgenommen. Doch dann die Nacht: Unzählige Gedanken hielten mich wach! Dreiviertel der Chemie ist drin. Die Aussichten sind gut. Die Situation mit Corona, der aufflammende Konflikt im Nahen Osten. Schicksalsschläge im Umfeld nehme ich inzwischen viel intensiver wahr. Der Tag, die Gespräche, die Sitzung. Gedankenaustausch zur Arche-Forschung per Mail, das Noah-Symposium, das nun näher kommt. Es war eine kurze Nacht.

Nach den Cortison-Tabletten und dem Kaffee lief der Mittwoch dann trotzdem gut an, nach dem Mittagessen ein Spaziergang und ein heißes Bad – dann der Durchhänger: der Kreislauf war nicht mehr ganz so stabil und ein bisschen Übelkeit machte sich bemerkbar (naja, zum ersten Mal, was soll man da klagen!).

Christi Himmelfahrt war ein schöner Tag, ein morgendlicher Spaziergang fiel zwar ins Wasser, aber die Steaks vom Grill waren lecker. Nachmittags doch noch eine Runde spazieren und abends hab ich angefangen, diesen Text zu schreiben. Ein paar gute Gedanken würde ich dann heute noch hinzufügen.

Heute bin ich sehr früh aufgewacht, nach dem Frühstück hing ich irgendwie gedanklich in der Luft. Ich nahm die Kamera und ging eine Weile raus, ein paar schöne Bilder sind dabei. Aber die guten Gedanken für den Text? … Vielleicht beim nächsten Mal wieder!

Wie erwähnt waren die letzten zwei Wochen vor der dritten Behandlung wirklich gut, die Nebenwirkungen halten sich in aushaltbaren Grenzen – und auch nun, nach der dritten Behandlung geht es wieder aufwärts. Morgen, nach den letzten beiden Cortison-Tabletten, werde ich wieder eine Runde joggen, mal sehen, wie weit ich komme.

Den Körper fit halten, Zuversicht einüben sowie Geist und Psyche auf Trab halten, dazu noch Bibellesen und die treuen Gebete vieler Glaubensgeschwister. Ich glaube, diese Elemente sind es, die mich durch die nun schon fast zweieinhalb Monate seit der Lymphom-Diagnose durchgetragen haben. Immer mal wieder gibt es Durchhänger, körperlich, mental, geistlich. Aber in Summe bin ich dankbar und hochzufrieden.

Nach der oben genannten Darmuntersuchung ist es nun auch von ärztlicher Seite ganz offiziell: Stadium 2 in der Einordnung des Krebsleidens, günstigste Diagnose ohne Risikofaktoren! Die Heilungschancen stehen auch bei der verkürzten Therapieform bei über 95 Prozent. Im Vergleich zu den 70 Prozent, die im ersten Gespräch mit der Ärztin genannt wurden, ist das natürlich absolut ermutigend. Man macht sich auch wieder mit größerer Überzeugung längerfristige Gedanken und Pläne, über neue Projekte und Visionen, über die Zukunft in der Kirchengemeinde oder bei MORIJA.

Der 20.(!) Lockdown-Jugendgottesdienst am vergangenen Samstag war eine große Freude und hat mich mit Dankbarkeit erfüllt. Nachdem ich das (als kurzfristig gedachte) Projekt initiiert und vorangetrieben hatte, ist ab meiner Operation im Februar sehr vieles ohne mich durch ein motiviertes und schlagkräftiges Team geleistet worden. Beim Jubiläum konnte ich mal wieder bei der Vorbereitung und an der Kamera aktiv sein.

Dass corona-bedingt sonst wenige Veranstaltungen sind, kommt mir natürlich entgehen. Ich verpasse wenig. Der Vortrag, den ich per Zoom auf dem Noah-Symposium am 25.5. in der Türkei halten werde, kommt näher, dazu konnte ich noch einiges forschen und mein Paper und meine Präsentation fertigstellen. Ein schönes Projekt, das mir auch mental ordentlich Auftrieb gibt.

Nun werde ich am 1. Juni voraussichtlich meinen letzten Behandlungstag mit dem kompletten Medikamentencocktail haben (immerhin jedesmal fünf Chemo- und Antikörpermittel plus drei oder vier Begleitmedikamente). Dann bekomme ich im Abstand von jeweils zwei Wochen noch zweimal Rituximab, sodass ich Ende Juni fertig sein werde und mich dann hoffentlich über den Sommer von der ganzen Prozedur erholen kann. Vielleicht gibt es dann noch eine Reha und möglicherweise bin ich im Herbst wieder (fast) der Alte. Wie vorher werde ich sicherlich nicht mehr sein, denn diese Zeit prägt mein Leben. Das spüre ich sehr intensiv!

Pfingsten: Ich bin dann mal weg! – Update vom 24.5.2021

Ich bin dann mal weg: Vor ein paar Tagen fiel mir zufällig der bekannte Bestseller von Hape Kerkeling in die Hände. Eigentlich wollte ich den nie lesen, auch der Jakobsweg interessiert mich nicht besonders. Das Thema »Pilgern« finde ich allerdings schon lange faszinierend, in letzter Zeit erst recht. Vielleicht möchte ich mal pilgern, wenn die ganze Chemo-Prozedur überstanden ist. Würde das was bringen, vielleicht anstatt einer Reha? Ich weiß es noch nicht.

Jedenfalls liest sich das Buch echt gut. Es ist im eingängigen Plauderton geschrieben, für meinen Kopf momentan angenehmer als die anspruchsvollere Literatur, mit der ich eigentlich die Chemo-Zeit sinnvoll nutzen wollte. Wobei es mir inzwischen wieder viel besser geht, die letzte Woche vor der nächsten Chemo ist immer die beste. Natürlich ist die Leistung vermindert, sowohl physisch als auch geistig. Aber das Befinden ist in Ordnung.

Ein Blick auf die Burg Trifels in der Pfalz.

Ich bin dann mal weg: Ich bin jetzt in der Pfalz! Mit Blick auf die geschichtsträchtige Burg Trifels. Schon im Januar hatten wir diesen Urlaub mit der Familie gebucht. Meine Mutter feiert nächste Woche einen runden Geburtstag. Wegen Corona stand noch bis vor kurzem alles auf der Kippe. Doch jetzt sanken die Inzidenzen, Öffnungsschritte wurden vollzogen, ein Klinikaufenthalt meiner Mutter verlief sehr gut, Corona-Schnelltests negativ, problemlose Fahrt. Raus aus dem Chemo-Alltag, aber auch raus aus der Komfortzone daheim. Fiel mir schwer, wegen der Chemo und eben nach Monaten des Lockdowns. Aber nun ist es wirklich schön hier!

Ich bin dann mal weg: Von hier aus werde ich morgen am Berg-Cudi-Symposium in der Türkei teilnehmen. Spannende Geschichte. Bin eigentlich gut vorbereitet, Vortrag, Technik usw. Doch die Informationen aus der Türkei fließen spärlich. Alles hängt irgendwie in der Luft. Ich bin sehr gespannt, wie das alles ablaufen wird.

Ich bin dann mal weg: Es ist eine krasse Reise, auf der ich mich gerade befinde. Körperlich, mental, geografisch. Und im Buch mit Hape Kerkeling. Jeden Tag gibt es bei ihm eine Erkenntnis. Am 9. Juni 2001 – vor fast genau 20 Jahren – ist er losgelaufen. Erkenntnis nach dem ersten Tag: »Erst mal herausfinden, wer ich selbst bin.« Bin gespannt, ob er es am Ende – in Santiago de Compostela – herausgefunden haben wird. Und ob ich es irgendwann mal herausfinden werde.

Die letzte Runde! – Update vom 30.5.2021

Am Asselstein bei Annweiler in der Pfalz.

Es geht in die letzte Runde! Die dritte Woche nach der Behandlung war wieder richtig gut, da hatte ich nach der durchwachsenen zweiten Woche Schlimmeres befürchtet. Ein Kurzurlaub mit der Familie in der Pfalz sowie die virtuelle Teilnahme am Noah-Symposium in der Südosttürkei haben mich natürlich abgelenkt und auf andere Gedanken gebracht. Neben der Psyche hat sich auch der Körper ordentlich von den Medikamenten erholt.

Nun steht noch einmal das volle Programm bevor: Heute die zweite Corona-Impfung in Tübingen, morgen Blutabnahme und übermorgen dann R-CHOP. Wenn die nächste Woche dann vorbei ist und am Samstag zum letzten Mal Cortison geschluckt ist, kann es eigentlich aufwärts gehen. Im Abstand von jeweils zwei oder drei Wochen bekomme ich zwar noch zweimal das Antikörper-Medikament Rituximab, aber ohne die weiteren Chemo-Medikamente wird es hoffentlich nicht soviel Schaden anrichten.

Auf dem Kopf habe ich inzwischen wieder einige Haare, dünn, vereinzelt und eher grau sind sie seit der Rasur vom 23.4. gewachsen. Der Bartwuchs ist auch sehr sporadisch, doch alle anderen Haare sind mir bisher gar nicht ausgefallen, das ist schon sehr erfreulich! Leichte Nervenschmerzen in den Fingern und eine etwas verschnupfte Nase sind weitere Nebenwirkungen, mit denen ich aber im Moment ganz gut klarkomme.

Also dann los! Auf in die letzte Runde!

Alles drin. Naja, fast. – Update vom 1.6.2021

Nach der letzten kompletten Therapie-Einheit, die heute kurz nach 14 Uhr überstanden war, bin ich nun schon erleichtert. Wobei ich es noch gar nicht tiefgreifend fassen kann, dass das Schlimmste wahrscheinlich überstanden ist. Gestern musste ich den Nachmittag im Bett verbringen, da mein Immunsystem doch noch ziemlich stark auf die zweite Biontech-Impfung am Sonntag reagiert hat. Mein Immunsystem, das ja eigentlich eher im Keller sein sollte :-)

Heute morgen ging's dann bis auf leichtes Kopfweh wieder besser und ich konnte die letzte große Chemo-Runde in Angriff nehmen. Nun ist also alles drin im Körper und ich kann mein bestes tun, damit klarzukommen. Bis Samstag muss ich allerdings noch Cortison nehmen und zwei Zyklen Antikörper-Infusionen folgen dann auch noch. Aber das wird dann eher locker zu schaffen sein.

Ausführlicheres demnächst – wenn ich vielleicht auch wieder etwas klarer denken kann …

Die letzten Chemo-Spritzen.

Die (hoffentlich!) letzte Talsohle – Update vom 7.6.2021

Die letzten beiden Tabletten Prednisolon am Samstag waren die abschließenden Bestandteile der CHOP-Therapie. Sie haben mich zuletzt wirklich angewidert und ich war froh, als sie geschluckt waren. Die vergangene Woche war von mehreren Nächten Schlaflosigkeit geprägt und ich bin wirklich froh, dass kein weiterer Chemo-Zyklus folgen wird. Sodbrennen und Übelkeit waren Begleiterscheinungen, die in diesem letzten Zyklus stärker waren als zuvor. Eine Spritze zur Anregung des Knochenmarks gestern beendete den Medikamenten-Marathon seit der Impfung vor einer Woche. Da der heutige Morgen allerdings erwartungsgemäß mit Kopfschmerzen begann, musste ich noch eine Paracetamol nachwerfen. »Erwartungsgemäß«, weil der Ablauf schon vor drei und vor sechs Wochen ungefähr genauso war. Am Beginn der Woche nach der Chemo war jeweils der ziemlich schlechteste Tag. Nach Spaziergang und Mittagsschläfchen geht's nun allerdings aufwärts und wenn es wie in den letzten Zyklen weitergeht, müsste die letzte Talsohle durchschritten sein. Wie sich wohl Körper, Haarwuchs und Psyche in den nächsten Wochen erholen werden, wenn die nächsten beiden Zyklen nur aus Rituximab bestehen?

Gedanken nach dem Tod von Philipp Mickenbecker – Update vom 11.6.2021

Philipp Mickenbecker ist tot. Der 23-jährige Youtuber und Christ ist vorgestern an Lymphdrüsenkrebs gestorben. Ich kannte ihn nicht, hatte aber immer wieder von ihm und seiner Krebserkrankung gehört. Wollte mich gar nicht damit beschäftigen, aber nun, nachdem ich gestern von seinem Tod erfahren hatte, sah ich das Video an, das nun veröffentlicht wurde, und blätterte in seinem Buch, das meine Kinder vor einiger Zeit geschenkt bekommen hatten. Mit 16 hatte er zum ersten Mal ein Hodgkin-Lymphom und musste eine heftige Chemotherapie durchleiden. Sein Schicksal, sein Gottvertrauen und nun sein Tod hat viele Menschen bewegt. Auch die Bildzeitung berichtete immer wieder. Wahnsinnig viele Menschen haben für ihn gebetet!

Ich habe ebenfalls Lymphdrüsenkrebs. Hatte ein Non-Hodgkin-Lymphom aus sehr aggressiven Zellen. Durch eine bewährte Chemo-Antikörperbehandlung mit guten Chancen heilbar. Ich habe die Therapie, deren schlimmste Phase vorüber ist, gut verkraftet. Mein Gottvertrauen ist wahrscheinlich weniger groß, für mich haben wohl weniger Leute gebetet. (Und doch überwältigend viele!)

Darf man vergleichen? Darf man fragen: Warum? Philipp hat auch gefragt: Warum? Warum ich? In seinem Buch »The Real Life Story« erzählt er davon. Auch, dass er nicht mit seinem Zwillingsbruder Johannes tauschen wollen würde. Echt nicht? Warum trifft es mich, nicht ihn. Und umgekehrt: Warum trifft es ihn, nicht mich? Sind das nicht nachvollziehbare (heimliche) Fragen unter Zwillingen? Ein Freund von mir starb 1994 bei einem Autounfall. Martin Breitling. Mit 24. Sein Zwillingsbruder ist Prediger, hat Familie, ist letztes Jahr 50 geworden.

Warum ist Philipp Mickenbecker tot? Warum werde ich (voraussichtlich und hoffentlich!) weiterleben? Warum handelt Gott so willkürlich? Warum erhört er Gebete scheinbar selektiv?

In seinem Buch beschäftigt sich Philipp mit Bibelstellen, die mir auch wichtig geworden sind: über Hiob, über Hiskia. Ganz am Ende schreibt er von einem Abschnitt, der ihn irritiert hat: Apostelgeschichte 12. Das Kapitel ist ihm kurz nacheinander zweimal begegnet, bei der Bibellese und dann in einem Artikel von Thomas Härry. Dieser schrieb, Gott sei manchmal unverständlich, verwirrend. »Jakobus geköpft – Petrus gerettet«. Der eine Jünger wurde umgebracht, der andere durch ein Wunder aus dem Gefängnis befreit. Warum?

Thomas Härry: »Weshalb ist das so? Weil es dunkle Seiten Gottes gibt. Damit meine ich nicht bösartige Seiten Gottes, eine willkürliche Unberechenbarkeit. Mit ›dunkel‹ meine ich: Hier sind uns Gottes Absichten nicht zugänglich. Es ist nicht, dass da keine wären – aber wir sehen sie nicht. Er lässt sich nicht in die Karten blicken. Dieser nahe Gott, der sich uns so väterlich schenkt – er bleibt uns manchmal auch fremd und unzugänglich.«

Mir kam die Sache mit Jakobus und Petrus bekannt vor, ich dachte kurz nach – und tatsächlich: Auch mir ist die Bibelstelle innerhalb kürzester Zeit zum zweiten Mal begegnet, vor einigen Tagen im Magazin »Faszination Bibel«. Der Artikel trug die Überschrift: »Gottes Wort mit Tränen auslegen«.

Philipp Mickenbecker bekennt: »Ich konnte Gott in der Situation nicht verstehen, aber ich konnte ihn in jeder noch so schweren Situation erkennen.« – Laut dem Video, dass sein Zwillingsbruder und seine Freunde kurz nach seinem Tod aufgenommen haben, hat er bis zuletzt in allen Schmerzen an Gott festgehalten und schließlich seinen Frieden mit seinem Schicksal gehabt. Nun ist er bei Jesus, an den er geglaubt hat und den er mit seinen Worten und seinem Leben vielen Menschen bezeugt hat.

Und ich? Ich darf weiterleben und will Gott dafür dankbar sein, dass er die vielen Gebete für mich erhört hat. Aber ich will auch demütig bleiben, denn alles liegt in Gottes Händen! Nichts ist selbstverständlich, es werden weitere Herausforderungen in meinem Leben kommen und ich möchte darauf vertrauen, dass ich sie annehmen kann und Gott mich hindurchträgt, bis auch mein Leben – irgendwann – mit dem Tod endet, in seiner Gegenwart.

Langsame Rückkehr ins »normale« Leben – Update vom 23.6.2021

Die Corona-Zahlen fallen, der schwierigste Teil meiner Chemo ist überstanden – das Leben normalisiert sich, bei mir persönlich und um mich herum.

Inzwischen ist das Buch »Jüdisches Leben im Nordschwarzwald« in der »Edition Papierblatt« erschienen, die Produktionsphase lief weitgehend ohne mein Zutun – dank Projektpartner Thorsten Trautwein und dem Verlagshaus Klotz, das das Buch publiziert hat. Mein Beitrag über das jüdisch geprägte Dorf Baisingen war weitgehend fertig, bevor meine Krankheitsgeschichte begonnen hat. An einer Buchvorstellung am Sonntag vor einer Woche konnte ich relativ entspannt teilnehmen.

Weitere Früchte eines Engagement, das schon länger zurückliegt, konnte ich am letzten Sonntag genießen: Ein Grenzstein, den ich im letzten Jahr aus einem Gebüsch im Wald geborgen hatte, wo er vom Moos überwuchert lag, wurde dem Freiluftmuseum »Vogtsbauernhof« übergeben. Zu einer feierlichen Übergabe mit Bürgermeistern, Museumsleitung und Presse war ich eingeladen. Ein netter Besuch, bei dem sich zeigte, dass auch sehr spezifische Interessen hin und wieder Wertschätzung erlangen :-)

Ein spannender Schritt zurück in die Normalität war die Gebetsstunde am 15. Juni: Eine Woche zuvor war klar, dass noch jemand für die Andacht gefunden werden musste. Ich wollte die Gebetsstunde zwar besuchen, da ich in der dritten Woche nach der Chemo eine gute Phase erwartete – aber die Andacht halten? Das hielt ich für zu früh.

Ich organisiere die Gebetsstunde, die es seit 1923 gibt, seit einigen Jahren und war besonders in den vergangenen Monaten sehr dankbar für die treuen Beter, die wir in Sulz haben. Sie dachten an mich und fragten immer wieder nach. Ich bin überzeugt, dass diese Gebete einen wichtigen Anteil haben an meiner inzwischen sehr günstigen Prognose.

Bei der Frage an mich selbst, ob ich selber die Gebetsstunde halten würde, schaute ich ins Losungsbuch – und siehe da: Ich musste fast gar nichts tun. Der Bibelvers »predigte« selbst, sogar mitten in meine Situation hinein!

»Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.« – Was könnte besser passen?

Ich las den ganzen Text aus Psalm 66 und fertig war die Predigt. Ich empfehle sehr, ihn zu lesen!

Folgende Verse pickte ich noch heraus, um ein paar persönliche Gedanken weiterzugeben:

Vers 5: Wunderbar ist Gottes Tun. In der Elberfelder Übersetzung heißt es: »Furchtbar ist sein Tun.« – Gott ist mächtig, aber nicht immer nur »lieb«. Man sollte keine Angst vor ihm haben, aber doch Ehrfurcht vor seiner Allmacht und auch davor, dass in Wirklichkeit nicht alles »wunderbar« ist, sondern manchmal aus unserer Perspektive »undurchschaubar«.

Vers 10 bis 12: Gott schickt uns Prüfungen, er läutert uns wie Silber, steht da. Um Silber wertvoll zu machen, muss es von unerwünschten Bestandteilen getrennt werden. Werde ich wertvoller sein, wenn ich »geläutert« wurde?

Vers 13: Gelübde erfüllen: An Ostern hatte ich einen Text von Paulus gelesen aus Philipper 1. In den Versen 23 und 24 schreibt er: »Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben um euretwillen.« – Ich selber habe, im Gegensatz zu Paulus, viel Lust, noch länger auf dieser Erde zu wandeln. Wenn Gott mich noch am Leben erhalten will – so dachte ich damals –, möchte ich gerne mein Leben in seinen Dienst stellen, auf welche Weise auch immer. Und wie in …

Vers 16 »erzählen, was er an mir getan hat.«

Vers 19 und 20 sind dann die Verse, die ich direkt nachbuchstabieren kann: »Aber Gott hat mich erhört und gemerkt auf mein Flehen. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.«

Der Lehrtext des 15. Juni aus Kolosser 4,2 ermutigt zum Dranbleiben: »Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit!«

Und ein Gebet aus Taizé ergänzte im Losungsbuch die beiden Bibelverse: »Lebendiger Gott, unser Gebet mag unbeholfen sein, aber wir suchen dich voll Vertrauen. Und dein Erbarmen bahnt sich einen Weg durch unsere Unschlüssigkeit, ja unsere Zweifel.«

Ja, dieser Zweifel an Gottes Güte ist immer wieder da. Gerade auch, wenn man den Tod von Philipp Mickenbecker (siehe oben) vor Augen hat. Aber dann ist da plötzlich die Bibellese von heute, in der mir Apostelgeschichte 12 zum dritten Mal begegnet: »Jakobus geköpft – Petrus gerettet«.

Wahnsinn!

Und übrigens geht es mir heute – einen Tag nach dem 5. Zyklus – ziemlich gut. Da ich nur Rituximab und ein Begleitmedikament bekommen habe, ist außer ein wenig Müdigkeit im Vergleich zur vollen Chemo-Behandlung nur wenig zu spüren. So freue ich mich auf die nächsten Wochen und hoffe, dass mein Körper und meine Psyche sich nun langsam erholen können :-)

Wieder Dienstag! – Update vom 6.7.2021

Wieder Dienstag: 21 Wochen seit meiner Tumor-Operation. 14 Wochen seit der ersten Chemo, 5 Wochen seit der letzten. Nächste Woche bekomme ich ein letztes Mal Rituximab, dann ist die Therapie abgeschlossen. Natürlich wird es noch einige Zeit dauern, bis mein Körper wieder regeneriert sein wird, aber ich fühle mich schon jetzt sehr fit und auch die Haare wachsen immer stärker. Allerdings sind sie ziemlich grau geworden, mal sehen, ob sich das noch ändert.

Abstand gewinnen: Ein Blick vom Schlossberg hinüber zum Krankenhaus, links im Bild, mit dem Kran. Dort war die Operation im Februar, dort bekomme ich meine Therapie.

Da Deutschland quasi parallel zum Ende meiner Therapie immer mehr aus dem Lockdown erwacht, fühlt es sich nicht so an, als ob ich viel verpasst hätte. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen an einigen Veranstaltungen teilgenommen, ehrenamtlich war ich medientechnisch ein bisschen aktiv. In diesem Bereich hat die Welt um mich herum gefühlt aufgeholt und ich werde mich selbst wieder auf den neuesten Stand bringen müssen. Videokonferenzen und Livestreams, mit denen ich 2019 (schon vor der Pandemie) und 2020 noch Pionierarbeit im kirchlichen Bereich (zumindest in unserem Bezirk) geleistet habe, sind zum Standard geworden.

In den nächsten Wochen ist mein Ziel, Körper und Geist weiter auf Trab zu bringen, wandern, joggen, vielleicht Rad fahren, den Radius größer werden lassen. Symbolisch bin ich in Nagold auf dem »7-Berge-Weg« um das Krankenhaus, in dem ich behandelt werde, herumgewandert.

Lesen, recherchieren, schreiben, am 1. August werde ich zum Israelsonntag eine Predigt halten. Dann in den Sommerferien Zeit mit der Familie, den Kopf frei kriegen, reflektieren, nach vorne schauen.

Inzwischen wurde mir der Schwerbehindertenstatus bestätigt, ich bekomme (nach einigen bürokratischen Hürden) Krankengeld und von der Versicherung eine »Rente«. Auf dem Papier sieht es also trostloser aus, als es eigentlich ist. Aber das erinnert mich daran, nicht übermütig zu werden. Psychisch muss die hinter mir liegende Zeit verkraftet werden, die Konfrontation mit der Zerbrechlichkeit meines Lebens wird wohl noch lange nachwirken und mich wahrscheinlich für immer prägen.

Aber die Dankbarkeit, dass ich Operation und Chemotherapie überstanden habe und die Heilungsprognose sehr gut ist, überwiegt alle schlechten Gedanken – meistens zumindest, und vor allem dienstags … :-)

Es geht aufwärts! – Update vom 23.7.2021

Mathildenstaffeln: 600 Stufen führen vom Teinachtal hinauf nach Emberg.

Prinzessin Charlotte Auguste Mathilde (1766–1828) war die älteste Tochter des britischen Königs Georg III. Sie heiratete 1797 Herzog Friedrich von Württemberg. Als Württemberg von den Truppen Napoleons erobert worden war, wurde es 1806 zum Königreich erhoben und Friedrich und Charlotte wurden das erste Königspaar. An die Königin erinnert in Bad Teinach – hier war sie für zahlreiche Kuraufenthalte – die sogenannte »Mathildenanlage«. Durch sie führt der 11,5 Kilometer lange Premiumwanderweg »Der Teinacher«, über 600 Stufen der dazugehörigen »Mathildenstaffeln« geht der Weg vom Teinachtal in den kleinen Flecken Emberg hinauf.

Es geht aufwärts – insgesamt führt der Wanderweg fast 500 Höhenmeter hinauf, nach dem Abstieg von Emberg über die Wolfsschlucht geht es noch einmal hinauf ins malerische Städtchen Zavelstein mit der imposanten Burgruine. Der Weg ist anstrengend, aber auch erlebnisreich, idyllisch und auf jeden Fall überaus empfehlenswert!

Ganz oben: vom Bergfried der Burgruine Zavelstein aus hat man einen herrlichen Rundumblick.

Es geht aufwärts – auch gesundheitlich (und Gesundheit spielt auf dem Weg rund um das einst so bekannte Heilbad eine sehr sichtbare Rolle). Natürlich kam ich gewaltig ins Schnaufen, aber Herz und Kreislauf spielten mühelos mit und ich kann wieder beginnen, meine körperlichen Leistungsgrenzen kennenzulernen.

Außer einem etwas rätselhaften Schwindelanfall am vergangenen Montag gab es seit meiner letzten Behandlung am Dienstag, dem 13. Juli keinerlei Probleme. Die Therapie ist überstanden – und damit ist eigentlich auch die Krankheit überwunden! Mein Haar wächst wieder, wurde sogar dunkler, nachdem es zwischenzeitlich sehr grau und schütter nachgewachsen war.

Körperlich und psychisch ist nun weitere Erholung und Regeneration angesagt, manche Aufgaben kann ich bereits wieder anpacken. Mein (ehrenamtlicher) Einsatz für Kirche, Papierblatt und MORIJA wird langsam ausgebaut. Ich habe mir auch noch ein paar Schreib- und Forschungsprojekte vorgenommen für die nächsten Wochen.

Für den 2. August ist noch einmal eine abschließende PET-CT-Untersuchung in Tübingen angeordnet, um zu bestätigen, dass wirklich nichts Verdächtiges mehr zu erkennen ist. Da aber schon nach der Operation bzw. vor der Chemotherapie der Befund gut war, sind meine Befürchtungen relativ gering.

Die Perspektive ist also hervorragend, ich darf allem Anschein nach als geheilt gelten und bin sehr, sehr dankbar dafür. Ich danke allen, die dies heute lesen und auch in den vergangenen Monaten mitverfolgt haben: fürs Teilhaben, Drandenken, Mutmachen – und für jedes Gebet! Nach meiner Überzeugung waren für die Heilung drei Faktoren notwendig: die moderne Medizin, mein eigenes Durchhalten – und die Gnade Gottes! Doch nur dieser dritte Faktor war zu 100 Prozent verlässlich. Ich glaube, dass Gott mich auch in Zukunft tragen wird, wenn ich gesund bin, falls ich wieder krank werde, wenn ich alt werde und eines Tages sterbe. Ich frage mich oft: Wie kann man eine existientielle Krise überhaupt durchstehen, wenn man seine Hoffnung nicht auf Gott setzen kann?

Nach dem »Teinacher« in Teinach in der Teinach. Teinacher-Sprudel gab's leider nicht, stattdessen Cola.

 

 

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