Eine Herausforderung: Ruhe und Gelassenheit statt Haschen nach Wind

Gedanken zum Monatsspruch im September 2026

29. September 2026

Der Monatsspruch für den September lautet: »Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.« (Prediger 4,6)

Das Wort »Mühe« kommt im Buch Prediger häufig vor. Das hebräische Wort »amal« steht für Mühsal und Arbeit. Das Wort beschreibt die Arbeit als etwas Mühevolles, hat nicht in erster Linie den Ertrag und das Ergebnis im Blick, sondern den Aufwand. »Welchen Gewinn hat der Mensch von all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne?«, fragt der Prediger gleich in den ersten Versen des Buches (Prediger 1,3). Zweimal die Mühsal in einem Satz!

Das »Haschen nach Wind« ist ein Begriff, der ebenfalls häufig vorkommt, genauso wie »eitel« bei Luther oder »Nichtigkeit« in der Elberfelder. »Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, ganz eitel.« / »Nichtigkeit der Nichtigkeiten!, spricht der Prediger. Alles ist Nichtigkeit!« (Prediger 12,8)

Dieses Haschen nach Wind ist etwas Vergebliches, Vergängliches, aus der Perspektive Gottes ist es nichts wert. Kapitel 2,11: »Und ich wandte mich hin zu all meinen Werken, die meine Hände gemacht, und zu der Mühe, mit der ich mich abgemüht hatte. Und siehe, das alles war Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind. Also gibt es keinen Gewinn unter der Sonne.« – zweimal Mühe, einmal »Haschen nach Wind«. Man kann Depressionen kriegen, wenn man den Prediger liest.

Mit beiden Fäusten halten wir oft an Vergeblichem, an aus Gottes Perspektive Wertlosem fest und mühen uns ab.

Der September war recht voll, die Wochen nach dem Urlaub ziemlich stressig: Ich war in Wuppertal, um einen Vortrag auf einer geowissenschaftlichen Fachtagung zu halten, zu meinen Forschungen über den Berg Cudi und die Sintflut – auf Englisch. Das war eine tolle Sache mit wunderbaren Begegnungen, aber auch zusammen mit der ganzen Vorbereitung recht anstrengend. Dann noch die Ausstellung »Archäologie im Grenzbereich«, die seit dem »Tag des offenen Denkmals« im Wildberger Heimatmuseum zu sehen ist: ebenfalls ein ziemlicher Aufwand. Außerdem eine Papierblatt-Veranstaltung sowie die letzten Vorbereitungen zum Erscheinen des neuen Buchs von Fredy Kahn: »Meine jüdisch-schwäbische Familiengeschichte in 11 Generationen«. Dazu kamen noch viele unvorhergesehene kleine und größere Aufgaben, dauerhafte Baustellen und Liegengebliebenes.

Am 15. September machte ich bei schönem Wetter eine Wanderung, als kleine Zäsur – mit dem September-Monatsspruch im Gepäck.

Wald, Felder und Streuobstwiese bei schönem Septemberwetter
Unterwegs bei der Wanderung am 15. September 2026 (Fotos: Timo Roller)

Ist das nicht oft unser Alltag? Mit beiden Fäusten schaffen wir und zerren wir, treiben voran und nehmen in Besitz. Ist das aber auch richtig so? Und auch wenn alles, was wir tun, gut und richtig ist – ist es auch die Art und Weise, wie wir es tun?

Es gibt im Vers einen Kontrast zwischen den beiden Fäusten und der einen Hand, im Hebräischen ist wohl eine geöffnete Handfläche gemeint. Die Hand ist offen für etwas, was sich darin niederlässt, statt es mit den Fäusten an sich zu reißen. Und das Objekt passt hier wunderbar dazu: Die Ruhe! Auf Hebräisch ist das »nachat«, Ruhe, Gelassenheit. Die Wurzel ist »nuach«, niederlassen. Aus derselben Wurzel kommt auch Noah. Und genau das Wort »niederlassen, ruhen« steht auch in 1. Mose 8,4 – quasi meinem Lieblingsvers: »Und im siebten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, ließ sich die Arche auf dem Gebirge Ararat nieder.«

Die Arche findet ihren Ruheplatz, sie landet sanft, auf einem Berg wie auf einer offenen Handfläche.

Vielleicht war es auch so, dass Noah in einer solchen Gelassenheit gearbeitet hat. Er bekam von Gott einen Auftrag, einen genauen Plan – und dann baute er die Arche und arbeitete auf ein wichtiges Ziel zu. Kein erzwungenes Mühen mit den Fäusten, kein Streben nach einem vergeblichen Ziel, kein Haschen nach Wind.

Ich habe mir dann unterwegs ein paar Gedanken über meine Arbeit gemacht. Arbeite ich mühsam mit den Fäusten, gestresst, rastlos? Oder lasse ich mich von Gott hin und wieder mit Ruhe beschenken?

Schon lange beschäftigt mich ein Vers aus dem Epheserbrief: »Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.« (Epheser 2,10)

Ich finde diesen Vers wunderschön, auch sehr entlastend – und im Gegensatz zum Prediger, der das Mühevolle und Vergebliche allzu episch ausführt, gibt er mehr Positives mit: Wir sind es nicht, die wichtige Werke voranbringen, Gott ist es, und wir dürfen dabei mitmachen. Wir dürfen in Gottes guten Werken wandeln. Das fühlt sich leicht und beschwingt an, nicht mühselig und als Haschen nach Wind.

Lassen wir uns mehr von Gott beschenken und denken wir nicht, dass er unsere Arbeit braucht!

Und dann konkret für mich: weniger machen, langsamer machen, das Richtige machen.

Es ist immer mal wieder gut, die geöffnete Hand auszustrecken und Ruhe zu empfangen. Denn dann öffnet sich gleichzeitig die Faust, die zu oft krampfhaft kämpft und festhält.

Timo Roller

Siehe auch: Gedanken zu den Monatssprüchen im August 2026 (Der gute Hirte, Fülle und Freiheit) und im Juli 2026 (Amos und der richtige Gottesdienst)

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