Das Rätsel der Arche Noah

Kapitel 30: Verkünden Felsen die Wahrheit?

aus Teil 7 (»Die Quellen der Tiefe«) der Originalausgabe von 2014

Viele Menschen tun sich heute sehr schwer mit der Geschichte von der Arche Noah. Russell Crowe, Hauptdarsteller im 2014 erscheinenden Noah-Film, brachte dies vor einiger Zeit in einer Twitter-Meldung zum Ausdruck. Passt die biblische Geschichte mit unserem heutigen Denken und Wissen zusammen? Ist die Erzählung von Noah und der Sintflut nicht nur ein uraltes Märchen?

Der schon erwähnte Geowissenschaftler David R. Montgomery zeigt auf, wie Gelehrte zur Überzeugung gekommen sind, dass die Bibel nicht wörtlich zu nehmen sei. Zu Beginn seines Ausflugs in die Geologie-Geschichte führt er in die christlich geprägte Erforschung der Erdgeschichte ein und benennt die damalige Einstellung: Die wissenschaftliche Wahrheit könne eigentlich nur die biblische Wahrheit unterstützen, die geschaffene Welt könne nicht ihren Schöpfer widerlegen. Eine Zuversicht, die mancher sich in der heutigen Zeit wünschen würde, die aber von der Wissenschaft nachhaltig erschüttert zu sein scheint.

Sein persönliches Fazit, das er aus den Erkenntnissen der Geologie und ihrer Geschichte zieht:

»Das Vor-und-Zurück, das Hin-und-Her zwischen Wissenschaft und Religion im Lauf der Geschichte gleicht eher einem Tanz als einem Krieg […] Auch wenn wir die Erzählung nicht mehr wörtlich nehmen können – wir alle können von ihr lernen. Die Geschichte um die Flut-Geschichte zeigt, dass es für Wissenschaftler ebenso wichtig ist, in der Deutung neuer Daten flexibel zu sein, wie für Theologen, dass sie sich nicht auf unglaubwürdige Argumente stützen müssen – wie die Behauptung, dass die Felsen lügen.«

Montgomery schlägt insgesamt versöhnliche Töne an: »Ich war mit der Ansicht der meisten Geologen angetreten und habe die Sintflut als ein Märchen angesehen – einen uralten Versuch, das Geheimnis zu lüften, wie Meeresfossilien auf hohen Berggipfeln landen konnten. Nun bin ich überzeugt worden, dass die Geschichte von Noahs Flut – und die vielen anderen Flutüberlieferungen – in der Wahrheit verwurzelt ist.«

Der Kompromiss zwischen Glaube und Vernunft, den Montgomery anbietet, ist auf den ersten Blick eine gute Lösung: »Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es unmöglich ist zu sagen, ob die Sintflut auf die Schwarzmeer-Flut zurückgeht oder auf eine große mesopotamische Überschwemmung. Wie faszinierend auch jede dieser Ansichten klingen mag, sie bieten offensichtlich beide einleuchtende, vernünftige Erklärungen.«

Auf den zweiten – genaueren – Blick eröffnet dieser Kompromiss aber viel mehr Fragen, als er zu lösen vorgibt. Der biblische Text scheint nämlich – vor allem in den ersten Kapiteln der Genesis – einer Kompatibilität mit der evolutionären Erd- und Menschheitsgeschichte wenig Spielraum zu geben. Wenn die Bibel davon erzählt, dass alle Quellen der großen Tiefe aufbrachen, die Fenster des Himmels sich öffneten (1. Mose 7,11) und das Wasser so sehr anschwoll, dass alle hohen Berge, die unter dem ganzen Himmel sind, bedeckt wurden (1. Mose 7,19), so lässt dies schon größere Dimensionen vermuten, als nur eine regionale Überschwemmung. Es werden gewaltige geologische Vorgänge beschrieben.

Zudem ergibt sich das theologische Problem, ob Tod und Vergänglichkeit schon vor dem Sündenfall auf der Erde geherrscht haben können und daher Fossilien – Zeugnisse verendeter Lebenwesen – schon vor diesem in 1. Mose 3 geschilderten Ereignis abgelagert worden sind.

Wenn man zudem annimmt, dass wirklich ein großes Schiff – die Arche – auf dem über 2000 Meter hohen Gipfel des Berges Cudi gestrandet war, so kann man leicht nachvollziehen, warum Friedrich Bender ein Rätsel in dieser Geschichte sah, das zu lösen er nicht imstande war.

 

 

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