Bender hatte versucht, die archäologischen Funde Leonard Woolleys im südmesopotamischen Ur mit der Arche-Überlieferung in Einklang zu bringen. Zwar hat sich inzwischen herausgestellt, dass die von Woolley der biblischen Sintflut zugeordneten Lehmschichten nur eine sehr begrenzte lokale Ausdehnung haben, doch für Bender waren sie Ausgangspunkt seiner Untersuchungen. Er wollte herausfinden, ob die Überschwemmung Mesopotamiens mit der Überlieferung eines Schiffes auf der in etwa 1700 Meter hoch gelegenen Fundstelle in Einklang zu bringen war. Seine Grundaussage, die er schon 1972 publizierte, war: »Die Höhenlage der Fundstelle mit 750 m über den Terrassenschottern der Ebene ist schwer erklärbar, wenn man den Fund tatsächlich als Schiffsreste ansehen will. Einige Beobachtungen deuten jedoch auf geologisch sehr junge tektonische Hebungsbewegungen im Gebiet des südlichen Taurus-Randes in der Südosttürkei.« Seine geologischen Untersuchungen am Fuß der Cudi-Kette an einer starken »Randfalten-Südstörung« im Herbst 1988 ergaben gewisse Diskrepanzen zwischen der gesteinskundlichen Einordnung der Terrassenschotter ins Mittel- und Altquartär (nach seinen Angaben 300.000 bis 350.000 Jahre) und den C-14-Datierungen zwischen 675 und 13.950 Jahren. Letztlich blieb das Rätsel für ihn ungelöst und in einem Brief, den er im Juli 1992 verfasste, schrieb Bender, dass ihn »die Geschichte nach 40 (!) Jahren noch immer beschäftigt«.
Manfred Stephan, von 2000 bis 2011 vollzeitlicher geowissenschaftlicher Mitarbeiter der »Studiengemeinschaft Wort und Wissen«, hat sich in seinem Buch »Sintflut und Geologie« intensiv mit der Frage der erdgeschichtlichen Einordnung der biblischen Urgeschichte auseinandergesetzt. Das gewaltige Spannungsfeld zwischen Bibel und Geologie ist ihm bewusst:
»Schöpfungsforschung steht vor der gewaltigen Aufgabe, die Fossilüberlieferung zumindest ab dem Kambrium in den zeitlichen Rahmen der Menschheitsgeschichte zu stellen und in diesem Rahmen zu deuten (etwa ab dem Kambrium beginnt die Überlieferung vielzelliger Tierfossilien).« Trotzdem hält er an den biblischen Aussagen fest, denn mit einer kurzen Erdgeschichte »können viele Geländedaten besser erklärt werden, während die gleichen Prozesse im Horizont der geologischen Tiefenzeit fast unendlich langsam abgelaufen wären.«

Vor einigen Jahren hat Stephan beispielsweise die Bildungsdauer des Nusplinger Plattenkalks thematisiert: Vor dem Zerfall der Weichteile von Ammoniten wurden diese schon durch weitere Kalkschichten bedeckt und sind fossil erhalten geblieben. Daraus ergeben sich hohe Sedimentationsraten, die für die Ablagerung des gesamten Nusplinger Plattenkalks »in einigen Jahrzehnten« sprechen würden. Die Wissenschaftler nehmen stattdessen aber »schwer begründbare Größenordnungen von einigen zehntausend Jahren an«. Hier wirken geologische Ereignisse im erdgeschichtlichen Denken künstlich aufgebläht.
Mit seinem neuesten Buch liefert Manfred Stephan weitere überzeugende Beweisstücke gegen die Langzeitvorstellungen der Erdgeschichte und offenbart den hoffnungslosen Widerspruch zwischen evolutionistischer Annahme und tatsächlich in Stein gepresstem Zeugnis.
Sein am ausführlichsten behandeltes Beispiel sei kurz erläutert: Mitten in Deutschland (in Thüringen) gibt es eine Gesteinsformation, die die herkömmliche Darstellung der wissenschaftlichen Erdgeschichte in erhebliche Erklärungsnot bringt. Wie ist aus geologischer Sicht die sogenannte »Schmiedefeld-Formation« entstanden? Schon länger hat Manfred Stephan auf die Ausweglosigkeit der Erklärungen im Rahmen des konventionellen Modells der Erdgeschichte hingewiesen. In seiner 2012 veröffentlichten Arbeit widmet er sich in aller Ausführlichkeit dieser Fragestellung.
Die Schmiedefeld-Formation wird ins Ordovizium gestellt, ein geologisches System des Erdaltertums. Beginn und Ende der Formation konnten durch Leitfossilien eindeutig identifiziert werden und die Zeiten der jeweiligen Schichten wurden radiometrisch bestimmt. Die Schmiedefeld-Formation soll demnach im Laufe von 20 Millionen Jahren entstanden sein, im Zeitraum zwischen etwa 470 und 450 Millionen Jahren vor heute.
Allerdings ist die gesamte Formation nur maximal 40 Meter mächtig, an manchen Stellen sogar nur 50 Zentimeter. Für eine kontinuierliche Sedimentation über den angegebenen langen Zeitraum ist dies sehr wenig, zumal die Befunde der Sedimente auf eine schnelle Ablagerung schließen lassen. Zugleich gibt es keine Anzeichen von langzeitlichen Schichtlücken, in denen einige Jahrmillionen verborgen liegen könnten.
Aus diesem Grund kann Stephan im Titel seines Buches von einem »geologischen Dauerstillstand« sprechen, denn alle Befunde an der Formation sprechen für eine Entstehungsdauer der gesamten Schmiedefeld-Formation in der Größenordnung von einigen Jahrhunderten. Zu den radiometrisch ermittelten mehr als 20 Millionen Jahren ist dies eine Diskrepanz um den Faktor 100.000.
Manfred Stephan untersucht sehr präzise und ausführlich alle wissenschaftlichen Aspekte seiner Fragestellung: Er stellt fest, dass die Vergleichbarkeit der Sedimente für eine rasche Ablagerung spricht und dass es in der untersuchten Epoche keine Abtragung auf dem damaligen nahen Festland gab, die für die nötigen Sedimente gesorgt haben müsste. Auch tektonische Ereignisse sind im betreffenden Zeitraum im Ordovizium nicht nachzuweisen. Viel schlüssiger ist daher eine kurzzeitige Entstehung der Schmiedefeld-Formation, durch die sämtliche Widersprüche vermieden werden können. Diese Erkenntnis ist auch »eine ernsthafte Anfrage an die Isotopen-Datierung« im Allgemeinen, der in der geologischen Arbeit eine große Bedeutung zugeschrieben wird.
Nicht nur der Schmiedefeld-Formation fehlen die geforderten Anzeichen für Jahrmillionenprozesse. Manfred Stephan stellt weitere Schichtabfolgen in Thüringen, Hessen und in Russland auf die Probe und gelangt überall zu der gleichen Erkenntnis: Die Geologie bietet an diesen Orten keinen Nachweis für langzeitliche Ereignisse. In seinem Buch fordert Stephan dazu auf, angesichts dieses »Ozeans der Anomalien« die Theorie der langen Zeiträume zu überdenken.
Die Bausteine, die Manfred Stephan und die »Studiengemeinschaft Wort und Wissen« inzwischen in der Geologie zusammengetragen haben, rütteln an mehreren Säulen des evolutionistischen Erdgeschichtsmodells. Egal, welche Epoche der Geologie man betrachtet, stets deutet vieles auf kurzzeitige Ereignisse hin und auch Beobachtungen heutiger Katastrophen bestätigen dies. Beispiele sind der Vulkan Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington oder der Canyon Lake Gorge in Texas, wo im Jahr 2002 nach einem Dammbruch innerhalb von nur drei Tagen eine sieben Meter tiefe Schlucht in den Fels gegraben wurde.
Waren in der Vergangenheit wirklich Jahrmillionenprozesse für die Bildung der Oberfläche unserer Erde notwendig? Offensichtlich nicht. Vielleicht haben einige Jahrtausende genügt, die uns die Bibel zur Verfügung stellt, um die Erde so zu gestalten, wie wir sie heute kennen.
Doch fundierte Kritik an der evolutionär gedeuteten Erdgeschichte ist nur die Grundlage für eine noch größere Herausforderung: Die Etablierung eines auf der Bibel gegründeten Modells der Urgeschichte, die auch die Sintflut mit der erdgeschichtlichen Zeittafel in Einklang bringen kann. Obwohl Manfred Stephan in der geologischen Sintflutforschung Maßstäbe gesetzt hat, konnte eine schlüssige Lösung auch in seinem Buch »Sintflut und Geologie« noch nicht gefunden werden. Die meisten Schöpfungsforscher glauben, dass alle Schichten zwischen Kambrium und Kreide bzw. Tertiär im Jahr der Sintflut abgelagert wurden. Dies ist jedoch fragwürdig: Es gibt viele Anzeichen für Trockenzeiten und für länger andauernde Prozesse. Zudem ist die regelhafte Abfolge der Fossilien nicht befriedigend erklärt. Die Gesteine wurden also gemäß eines katastrophischen Denkrahmens nicht zwingend während vieler Jahrmillionen abgelagert – aber eben auch nicht in einem einzigen Sintflutjahr.
John C. Whitcomb und Henry M. Morris gaben mit ihrem Buch »The Genesis Flood« im Jahr 1961 den Startschuss für die moderne Sintflutgeologie. Das Modell, das von ihnen vertreten und von anderen verfeinert wurde, wird Kambrium-Tertiär-Modell genannt und wird heute noch im amerikanischen Raum vertreten, zum Teil abgewandelt als Kambrium-Kreide-Modell. Es wird angenommen, dass alle Sedimente, die seit Beginn der »Kambrischen Explosion« (also der schlagartigen »Entwicklung« vieler Lebensformen) bis zum Beginn des Eiszeitalters abgelagert wurden, von einem einzigen biblischen Sintflutjahr zeugen.
Eine Art Neuauflage von »The Genesis Flood« veröffentlichte Andrew Snelling 2010 mit seinem zweibändigen Werk »Earth’s Catastrophic Past«. Hier nimmt er Bezug auf die Plattentektonik und viele andere geowissenschaftliche Details. Er schafft es, anhand vieler Beispiele katastrophischer Vorgänge eine kurze Erdgeschichte von einigen Jahrtausenden plausibel darzustellen, hält dabei aber am Kambrium-Tertiär-Modell fest.
Joachim Scheven aus Deutschland formulierte als einer der ersten den Gedanken, dass die Widersprüche zu groß seien, wenn man alle fossilhaltigen Schichten in ein Sintflutjahr zwängen wollte. Auch Manfred Stephan widmete sich ausführlich dieser Problematik:
»Zeitverzehrende Befunde, wie sie in diesem Kapitel zusammengestellt wurden, könnten noch erheblich vermehrt werden. Jeder einzelne überschreitet den zeitlichen Rahmen des Sintflutjahres deutlich. Das gilt natürlich besonders für die Befunde in ihrer Gesamtheit.«
Er führt beispielsweise folgende Punkte auf, die gegen ein Kambrium-Tertiär-Modell sprechen:
Die geregelte Abfolge der Fossil-Gruppen ohne chaotische Merkmale, wie sie bei einer Überflutung anzunehmen wären,
Salzlager, die Austrocknung statt Nässe belegen,
Sediment-Besiedler, die Ablagerungspausen belegen,
Wachstum von Riffen und Kalk-Produktion von Mikroben, die Zeit benötigen,
Trockenfallen vieler Schichtflächen und Landtier-Fährten, die trockene Zwischenphasen belegen,
Sauriernester und Wurzelüberreste, die in mehreren Horizonten übereinanderliegen und für ihr Entstehen Wochen oder Monate benötigt haben müssen.
Zusammenfassend deutet er eine mögliche Lösung an: »Sehr wichtig ist, dass viele Ablagerungsgesteine (Sedimente oder Sedimentite) Merkmale zeigen, die – einerseits – mit einer Entstehung in der kurzen, etwa einjährigen Sintflut kaum zu erklären sind. Das wird beispielhaft an etwa einem Dutzend Problemen gezeigt (es gibt jedoch weit mehr). Doch muss – andererseits – die Ablagerung dieser Schichtfolgen nicht notwendigerweise im Tiefenzeit-Konzept der Historischen Geologie verstanden werden. Es werden Gründe genannt, die für eine wesentlich kürzere Entstehungsdauer sprechen. Insgesamt führt das zur Annahme einer Ablagerung sehr vieler Schichtfolgen außerhalb des Sintflutjahres (favorisiert wird in diesem Buch die Zeit zwischen Sündenfall und Sintflut und möglicherweise noch nach der Flut).«
Scheven sah die Lösung für das aus erdgeschichtlicher Sicht offensichtlich zu kurze Sintflutjahr in einem Kambrium-Perm-Modell und verlegte alle darauffolgenden Epochen in die nachsintflutliche Zeit, die er aber auch noch sehr stark von Katastrophen geprägt sieht. Er beschreibt hier ausführlich »Mega-Sukzessionen« vor allem im Tertiär. Leider hält seine Theorie nicht allen Gegenargumenten stand, sodass auch dieses Modell inzwischen als wenig tragfähig gelten muss. Vor allem die biblischen Berichte von der Zeit nach der Flut und der Ausbreitung der Menschen in Mesopotamien passen nicht damit zusammen, dass dort noch lange nach der Flut katastrophale Zustände geherrscht haben sollen. Noah hätte demnach kaum Überlebenschancen gehabt.
Eine weitere Alternative ist das Präkambrium-Modell, das davon ausgeht, die komplette Welt sei vor der Sintflut spurlos ausgelöscht worden und alle Schichten, die Fossilien enthalten, könnten erst nach der Flut entstanden sein. Hier verschärfen sich die Einwände gegen Schevens Modell natürlich um ein Vielfaches, denn die umwälzenden globalen Vorgänge der gesamten Erdgeschichte seit dem Kambrium hätten nach der Sintflut stattfinden müssen und eine Ausbreitung der Menschheit für lange Zeit unmöglich gemacht.
Interessanterweise geht Andrew Snelling in seinem Werk auf über 100 Seiten auf die Fragen ein, die Scheven, Stephan und andere an das traditionelle Sintflutmodell gestellt haben. Der Teil des Buches ist vielversprechend mit »Probleme für die biblische Geologie gelöst« überschrieben. So hält er es beispielsweise für möglich, dass Dinosaurierspuren entstanden sein könnten, weil die Sintflut die entsprechenden Sedimente nacheinander während einiger Gezeiten abgelagert habe – die Tiere seien dann jeweils über die wiederholt überfluteten Gebiete gelaufen und hätten ihre Spuren hinterlassen. Die Nester hält er in ihrer Definition für fragwürdig, weil das entsprechende Verhalten von Sauriern logischerweise nicht mehr überprüft werden könne: »In solchen Stresssituationen ist es denkbar, dass Dinosaurierweibchen ihre Eier auf diese vorübergehend wieder trockenen Sedimentoberflächen legten, manchmal in Gruppen, die als ›Nester‹ interpretiert werden, bevor diese von der nächsten Flutwelle aus sedimentbeladenem Wasser bedeckt und gleichzeitig die Dino-Mütter vertrieben wurden.«
Snelling betont, dass in diesem Punkt »weitere Forschung offensichtlich notwendig ist«, und stellt auch zusammenfassend fest, dass es viel zu wenige Geowissenschaftler gibt, die sich diesen Problemen widmen können. Dem stünden aber Heerscharen von Wissenschaftlern gegenüber, die nicht an einen Schöpfer glauben und Multi-Milliarden-Budgets zur Verfügung haben: »Das Heer der Kreationisten mit ihren Anstrengungen, zu forschen und zu schreiben, gleicht einem Kampf David gegen Goliath.«
Somit bleibt das Problem vorerst bestehen, dass sowohl die Archäologen und Geschichtsforscher (z.B. David Rohl mit seiner Eden-These) auf der einen Seite als auch die Geologen (Joachim Scheven) auf der anderen Seite faszinierende Lösungsmöglichkeiten bieten, diese Vorschläge aber nicht miteinander kompatibel sind. Während wir aus archäologischer Sicht eher auf ein Ereignis in den letzten Jahrtausenden Ausschau halten, sollte die Sintflut aus geologischer Sicht vor vielen Millionen radiometrischen Jahren abgeschlossen gewesen sein.
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