Das Rätsel der Arche Noah

Kapitel 28: Das verlorene Fest zu Ehren Noahs

aus Teil 6 (»Rekonstruktion der Ereignisse«) der Originalausgabe von 2014

Aus dem Jahr 1950 gibt es ein schönes Foto, das mir vor nicht allzu langer Zeit zugeschickt worden ist. Es zeigt eine stattliche Anzahl von Pilgern auf der damals noch sehr imposanten Ruine. Frank Westerman schreibt: »Das Besondere des Cudi war nicht seine Höhe (2114 Meter), sondern die alte Sitte der Umwohnenden, Moslems und Christen, jedes Jahr auf dem Gipfel gemeinsam der Sintflut zu gedenken.«

Eine Pilgergruppe auf dem Gipfel des Berges. Das Bild wurde wohl im Jahr 1950 aufgenommen.

Westerman hat die detailliertesten Informationen über diese Pilgerfeste aufgetrieben, er schreibt weiter: »Das Fest des Propheten Nuh zu feiern war in der Türkei, dem Iran und dem Irak sowie unter Türken und Kurden in Westeuropa immer noch weit verbreitet. Um der Segnung Allahs über Nuh und seine Nachkommen zu gedenken, bereiteten sie einmal pro Jahr aşure zu, eine zuckersüße Nachspeise mit zwölf Zutaten – wie Walnüssen, Granatäpfeln, Honig, Mandeln und Aprikosen – und verteilten sie unter die Nachbarn.

Zwischen den Tulpen auf dem Berg Cudi bekam das jährliche Essen und Teilen von aşure ein zusätzliches Gewicht, aber dieser Tradition war 1915 ein abruptes Ende beschieden. Genau wie die christlichen Armenier waren im Sommer dieses Jahres auch die Assyrer (Mitglieder der assyrisch-nestorianischen Kirche) Opfer der Pogrome und tödlichen Deportationsmärsche geworden. Die Überlebenden hatten sich in eine Handvoll Dörfer zurückgezogen, die am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, 1993, aus Sicherheitsgründen nachträglich noch geräumt wurden: Die Armee sprengte ihre Häuser, damit sie nicht als Angriffsbasis für kurdische Separatisten dienen konnten.«

Leider war es nicht möglich, im Rahmen unserer Sirnak-Reise am 29. September 2013 als muslimisch-christliche Gruppe auf diesen Gipfel zu gelangen, um an die alte Tradition anzuknüpfen und der Sintflut zu gedenken. Denn genau dort oben ist – so ist meine Überzeugung – unser aller Urahn mit seinem riesigen Schiff gestrandet.

 

 

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