Natürlich kommen mir die Vorarbeiten von Rohl, Willis und vor allem Crouse zugute, doch darüber hinaus bieten sich durch das Internet in den letzten fünf bis zehn Jahren ganz neue Möglichkeiten für die Forschung – vor allem durch Google Earth und Google Books, aber auch durch die Suchmaschine von Google, durch Wikipedia, Flickr, Facebook und Panoramio. So wären die Entdeckungen bei der HPG ohne Internet nicht möglich gewesen.
In meinem Buch »Bible Earth« bin ich nur kurz auf den Berg Cudi eingegangen, habe ihn dann aber mit Google Earth sehr ausgiebig untersucht. Wie im letzten Kapitel dargelegt, konnte ich anhand der auf dem Gipfel aufgenommenen Fotos von Bell, Bender, Thoma und der HPG, durch den Vergleich mit Bildmaterial von Google Earth sowie dem Panoramabild von 1909 den mutmaßlichen Landeplatz der Arche sehr genau lokalisieren. Da der Cudi ein größeres Gebirgsmassiv darstellt und von der Ferne ein eindeutiger Gipfel nicht erkennbar ist, war dies nicht ganz einfach, denn selbst Bill Crouse, der 2008 ins Gebiet am Fuße des Cudi gereist ist, hat von den Einheimischen vor Ort Koordinaten erhalten, die sich als falsch herausgestellt haben.
Bis vor Kurzem war nicht davon auszugehen, dass in der nächsten Zeit eine Forschungsreise zum Berg Cudi möglich sein würde. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage aber völlig gewandelt: Ein von der Universität Sirnak ausgeschriebenes Internationales Symposium war der Anlass, aus den bisher nur von Ferne möglichen Forschungen eine Expedition im wahren Leben werden zu lassen.
Diese Meldung vom 16. Oktober 2009 soll beispielhaft zeigen, wie gefährlich die Lage vor Ort bis zuletzt war:
»Die Operationen der türkischen Sicherheitskräfte (TSK) gegen die Stellungen der PKK-nahen Volksverteidigungskräfte auf den Bergen Cudi und Gabar vom Boden und aus der Luft dauern ununterbrochen an. […] Der Berg Cudi wurde aus der Luft mit Hubschraubern des Sirnak-Brigadekommandos bombardiert. Mehrere sogenannte Dorfschützer, kurdische paramilitärische Einheiten der Armee, haben an den Operationen teilgenommen. Der Zutritt für die Dorfbewohner im Bezirk Çiya Dera und auf dem Berg Cudi wurde von der Armee blockiert.«
Auch das Auswärtige Amt in Deutschland warnt bis heute (Februar 2014): »Die früheren militärischen Sperrgebiete in den Provinzen Siirt, Sirnak, Mardin und Hakkâri, deren Betreten grundsätzlich verboten war und die einer strengen Kontrolle unterlagen, sind aufgehoben worden. Dennoch kann es weiterhin zur Einrichtung von zeitweiligen Sicherheitszonen insbesondere im Gebiet südöstlich von Hakkâri entlang der Grenze zum Irak sowie nordwestlich von Diyarbakir und südöstlich der Ortschaft Cizre (Dreiländereck Türkei-Syrien-Irak) kommen.«
Die Reise nach Sirnak hat uns Cudi-Forschern einen guten Austausch und die Bestätigung unserer bisherigen Erkenntnisse ermöglicht. Wir haben vor Ort Kontakte geknüpft, einen Überblick über die Gegend erhalten und einzigartige Informationen bekommen. Hoffentlich werden eines Tages Ausgrabungen auf dem Gipfel und an den wichtigsten Stellen am Fuße des Berges möglich sein.

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