Das Rätsel der Arche Noah

Kapitel 23: Einheimische Besteigungen des Gipfels

aus Teil 5 (»Abenteurer am Berg Cudi«) der Originalausgabe von 2014

Die HPG (»Hezen Parastina Gel«) ist der militärische Arm der kurdischen Befreiungsorganisation PKK. Im Internet fallen sie durch eine starke und medial moderne Präsenz auf. Ihre Anliegen tun sie in kurdischer, türkischer, arabischer, englischer und deutscher Sprache kund.

In Filmclips und großen Fotogalerien zeigen sie ihre beiden großen Leidenschaften: Freiheit, die sie durch Waffengewalt erzwingen wollen, und die herrlichen Gebirgslandschaften ihrer Heimat. Unter diesen Bildern habe ich einige Aufnahmen vom Berg Cudi gefunden, auch mehrere, die direkt auf dem Gipfel aufgenommen wurden.

Dabei war eine größere Ruine, »Sefine« – das bedeutet »Schiff« –, aus zwei verschiedenen Blickrichtungen zu sehen, dann noch ein kleines Gebäude, das als »Haus Noahs« bezeichnet wird. Dort war eine der »Kinderwiegen« zu erkennen, die auch Hans und Christoph Thoma erwähnen.

Die HPG hat sich offiziell der Waffenruhe angeschlossen, die von PKK-Chef Öcalan im März 2013 ausgerufen wurde. Trotz seiner Inhaftierung im Jahr 1999 wird er von seinen Anhängern verehrt und hat auch von der Gefängnisinsel Imrali aus große Wirkung.

Eines der Bilder vom Gipfel von der Homepage der Gruppierung HPG

Muvaffak Uyanik, ein türkischer Forscher und ehemaliger Generalsekretär des Türkischen Verbandes für Alpinismus, der ebenfalls auf dem Gipfel des Cudi war, hat ein Buch über Petroglyphen in Südost-Anatolien veröffentlicht. Petroglyphen sind in Stein geritzte Darstellungen aus prähistorischer Zeit. Uyanik glaubt, in den Felsritzungen Jagdszenen und andere Darstellungen zu erkennen.

Die Strukturen auf den Felsen sind allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit natürlichen Ursprungs. In Kalksteinen kommen solche auf den ersten Blick künstlich wirkenden Kanäle häufiger vor.

Eines der Bilder von Uyanik ist dennoch besonders interessant, da es das kleine Häuschen zeigt, das auch auf den HPG-Bildern zu sehen ist. Die totalere Einstellung ermöglicht es, dieses Gebäude in einen geografischen Kontext einzufügen.

Das kleine Häuschen ist auch auf anderen Bildern zu sehen. Inzwischen (Stand 2013) ist es zerstört.

Im Jahr 2013 gab es aufgrund der politischen Entspannung und des Waffenstillstands mit der PKK etliche Besteigungen des Berges durch Einheimische, und dabei entstanden sehr viele Fotos und auch Filmaufnahmen. Zu vielen dieser Cudi-Besucher konnten wir vor, während und nach der Sirnak-Reise Kontakte aufbauen, und die Auswertung ihrer zahlreichen Fotos vom Gipfel ist eine vielversprechende Aufgabe für die nächste Zeit – auch wenn es uns leider vorerst nicht selbst gelungen ist, auf den Berg zu gelangen, um uns einen Eindruck von der Geografie zu verschaffen und eigene Fotos aufzunehmen.

 

 

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