Einen Augenblick hielten wir inne am Fuße der mächtigen Schneepyramide, die sich vor unserem Blicke an dem heiteren blauen Himmel wundervoll projizierte, trafen noch eine Auswahl der entbehrlicheren Gegenstände, die wir hinter einem Felsen zurückließen, und betraten nun ernst und still, nicht ohne einen gewissen heiligen Schauer die Region, in der sicher seit Noahs Zeiten kein menschlicher Fuß geweilt hatte. Am Anfang war das Fortkommen leicht, weil der Abhang nicht sehr steil und überdies mit einer Lage frischen Schnees bedeckt war, auf der sich’s behaglich wanderte; auch konnten die wenigen Querspalten im Eise wegen ihrer geringen Breite leicht überschritten werden. Diese Freude währte aber nicht lange, denn nach ein paar hundert Schritten vermehrte sich schon die Neigung dergestalt, dass wir im Schnee nicht mehr festen Fuß fassen konnten, sondern, um nicht auf der darunterliegenden Eisfläche zu gleiten, unsere Zuflucht zu dem Hilfsmittel nehmen mussten, auf dessen Gebrauch ich mich und alle meine Begleiter gefasst gemacht hatte, nämlich das Aushauen von Stufen.«
Dr. Friedrich Parrot (1792–1841), ein deutsch-baltischer Forschungsreisender, war der erste, der mit einer Bergsteigergruppe den Gipfel des Ararat erreicht hat. Der Berg galt zuvor als unbezwingbar. Aufgrund der zurückhaltenden – nach Parrots Ansicht abergläubischen – Angaben seiner armenischen Begleiter wurde seiner Erstbesteigung immer wieder misstraut. Obwohl Parrot heute offiziell als Ararat-Pionier gilt und seine Besteigung »kaum noch angezweifelt werden« kann, neigen Schriftsteller wie Frank Westerman nach wie vor dazu, seine Berichte »mit großer Vorsicht zu genießen«.
Zwar liegt der Ararat in der heutigen Türkei, er gilt aber doch vor allem den Armeniern als heiliger Berg und Wahrzeichen ihrer nationalen Identität. Er ist dort allgegenwärtig auf Flaggen, Wappen und Münzen. Der Anblick des Ararat von der Hauptstadt Eriwan aus ist das bekannteste Postkartenmotiv des Landes. Obwohl unerreichbar jenseits der Grenzlinie, gilt der Ararat, von den Einheimischen »Masis« genannt, als der Mittelpunkt Armeniens.
Eine alte Legende besagt, dass einst der Heilige Jakob die Arche auf dem Gipfel des Ararat suchen wollte. Doch ein Engel habe ihn zurückgedrängt und ihm schließlich als Lohn für seine Bemühungen ein Stück der Arche geschenkt. Bis heute wird diese Reliquie in der Kathedrale von Etschmiadsin aufbewahrt. Doch die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass sich das in der Legende beschriebene Ereignis am Großen Ararat abgespielt hat. Trotzdem begründete es den Mythos der Unbesteigbarkeit des heiligen Berges.
Auch wenn Parrot nicht nach der Arche suchte, war seine Erstbesteigung wohl der wichtigste Auslöser für einen regelrechten Arche-Boom in der folgenden Zeit: Es war möglich geworden, diesen Berg zu besteigen, und vielleicht befanden sich – wie von Parrot angedeutet – unter dem Eis noch Überreste des uralten Schiffes:
»Fragt man nun nach der Möglichkeit von Überresten der Arche auf dem Ararat, so kann die Physik eine solche Möglichkeit nicht verwerfen, falls wir nur annehmen, dass der Gipfel des Ararat bald nach der Sündflut wieder angefangen habe, sich mit unvergänglichem Eis und Schnee zu bedecken, was zu bezweifeln kein triftiger Grund vorhanden ist, besonders wenn man erwägt, dass Eis- und Schneedecken von hundert und mehr Fuß Tiefe in großen Gebirgen gar nichts Ungewöhnliches sind, also wohl auch in der Vertiefung auf dem Gipfel des Ararat leicht so viel Eis liegen mag, als nötig ist, die 30 Ellen hohe Arche zu bedecken.«
Wie es das beschriebene Aushauen von Stufen vermuten lässt, war es kein leichtes Unterfangen, den 5137 Meter hohen Gipfel zu besteigen. Das erste Vortasten bis zur Schneegrenze begann am 12. September 1829 (nach dem julianischen Kalender) und endete mit einem schmerzhaften Sturz Parrots. Der zweite Versuch vom 18. bis 20. September musste auf knapp 4200 Metern Höhe aufgegeben werden. Zum dritten Anlauf machte sich Parrots Gruppe am 26. September in aller Frühe auf, um recht schnell die Schneegrenze zu erreichen und von dort aus am nächsten Tag auf anderer Route zum Gipfel und wieder zurück zu gelangen.
Parrot beschreibt die Ankunft auf dem Ararat überschwänglich:
»Wir überschritten ohne Aufenthalt noch ein paar Hügel; da wehte Gipfelluft; ich trat hinter einem der Schneebuckel des Abhanges hervor und – der äußerste Kegel, die höchste Kuppe des Ararat lag unverkennbar vor meinen freudetrunkenen Blicken. Noch ein letztes Aufgebot unserer Kräfte war nötig, nur noch eine Eisfläche mittels Stufen zu ersteigen, und wir standen auf dem Gipfel des Ararat um ein Viertel nach 3 Uhr des 27. Septembers 1829!

Mein erstes Streben und Genießen war Ruhe; ich breitete meinen Mantel unter mir aus und setzte mich nieder. Ich befand mich auf einer schwach gewölbten, fast kreisförmigen Fläche von ungefähr 200 Schritt im Umkreise, die am Rande nach allen Seiten hin ziemlich steil abfiel; besonders aber gegen Süd- und Nordost; es war das starre, von ewigem Eise gebildete, durch keinen Felsen, keinen Stein unterbrochene Silberhaupt des alten Ararat. […] Wenn irgendein Punkt des Gipfels dafür angenommen werden soll, derjenige zu sein, auf welchem Noahs Arche sich niedergelassen hat, dann diese Vertiefung; denn an Raum würde es daselbst nicht gefehlt haben, da die Arche, wenn sie auch nach Genesis 6, 15 dreihundert Ellen lang und fünfzig Ellen breit gewesen ist, noch nicht den zehnten Teil ihrer Oberfläche eingenommen hätte.«
Folgende fünf Personen waren neben Parrot die Ersten auf dem Gipfel des höchsten Berges der heutigen Türkei: »Chatschatur Abowian, Diakon in Etschmiadsin, Sohn eines Landmannes aus Kanakir bei Eriwan, Alexej Sdrowenko und Matwej Tschalpanow vom 41. [russischen] Jägerregimente sowie Owannes Aiwassian und Murat Pogossian, Bauern aus Arguri.« Die Datumsangaben Parrots beziehen sich auf den julianischen Kalender; nach der gregorianischen Zeitrechnung war der Tag der Erstbesteigung der 9. Oktober 1829. Eine Zeichnung des Berges von Friedrich Parrot. Es ist noch das St.-Jakob-Kloster zu sehen, das durch den Bergsturz im Jahr 1840 zerstört wurde.
Weitere Besteigungen folgten. 1835 bezwang Karl Behrens den Ararat, Wilhelm Hermann Abich erreichte 1845 als erster den östlichen, zehn Meter tiefer gelegenen Gipfel, der nun seinen Namen trägt. 1846 war H. Danby Seymour auf dem Berg.
Eine größere russische Expedition machte sich 1850 zum Ararat auf. Schwere Unwetter verhinderten jedoch die geplanten ausführlichen Vermessungsarbeiten.
Als die »früheste bekannte Entdeckung der Arche Noah in moderner Zeit« gilt im Arche-Noah-Bestseller von Balsiger und Sellier ein Ereignis, das wohl »irgendwann zwischen 1850 und 1880 stattfand: Ein Armenier namens Haji Yearam berichtete von ›alljährlichen Wallfahrten hinauf zur Arche‹ und dem ›Bug eines riesigen Schiffes‹«, der in einem Gletschersee aus dem Eis ragen würde. Nur einem kleinen Kreis habe Yearam die Geschichte weitererzählt, da ihm für den Fall des Verrats der Beobachtung Folter und Tod angedroht worden sei. Im Jahre 1918 habe dann in London ein Wissenschaftler die Geschichte bestätigt, als er auf seinem Sterbebett den damals geleisteten Schwur brach. Überliefert hat die Anekdote ein Adventistenpastor namens Harold W. Williams.
Etwas glaubwürdiger als diese ominöse Geschichte ohne handfesten Beleg ist der Bericht des britischen Juristen, Historikers und Politikers James Bryce (1838–1922), der 1876 auf dem Ararat war. Er behauptete, auf 4000 Metern Höhe »ein Stück bearbeitetes Holz« gesehen zu haben. Er habe sogar ein Fragment davon mitgenommen, machte aber kein großes Aufheben darum, da er sich persönlich gut vorstellen konnte, »dass ihm für die Existenz dieses Holzstücks auf den Felsen in so großer Höhe durchaus auch eine andere Erklärung einfallen könnte«.
Bryce erwähnt auch die Katastrophe, die im Jahr 1840 das Dörfchen Arguri und das Kloster St. Jakob zerstörte, in dem Parrot untergekommen war. Beschreibungen und Zeichnungen Parrots sind somit die einzigen überlieferten Erinnerungen an das Kloster. »Das kleine Kloster, wo Parrot von den Mönchen, die sich vor den Störnissen der Welt zu dieser heiligen Stätte zurückgezogen hatten, so freundlich aufgenommen worden war, ist für immer dahin; auf dem Berge der Arche Noah ertönt kein Glockengeläut mehr, wird kein christlicher Gottesdienst mehr abgehalten«, schreibt James Bryce.
Als die bis heute zuverlässigsten Augenzeugenberichte gelten die unabhängigen und doch auffällig übereinstimmenden Erzählungen des Armeniers George Hagopian, des russischen Fliegers Wladimir Raskowitskis und des US-Soldaten Ed Davis. An diesen drei Zeugen hielt zuletzt im Oktober 2011 Rick Lanser fest, um den Ararat als Landeplatz gegenüber der später noch ausführlich zu diskutierenden Alternative, dem 300 km südwestlich gelegenen Berg Cudi, zu untermauern. Er führt das biblische Prinzip (Matthäus 18,16; 5. Mose 19,15) der zwei oder drei Zeugen an, die man nicht so einfach als unglaubwürdig beiseite wischen könne, wie dies die Vertreter der Cudi-These – namentlich Bill Crouse – machen würden. Hagopians Geschichte lautet wie folgt:
»Mein Großvater war der Priester der großen armenischen Kirche in Wan [am Wan-See], und er hatte mir oft von dem heiligen Schiff auf dem heiligen Berg erzählt. Und eines Tages sagte dann mein Onkel zu mir: ›Komm, Junge, ich will dir die heilige Arche zeigen.‹ Wir beluden seinen Esel mit Proviant und machten uns beide auf die Wanderung hinauf zum Ararat. Mir wurden vom Laufen die Füße wund, und der Esel wollte immer anders lang als wir, doch wir zogen immer weiter hinauf. Als wir auf ungefähr halber Höhe angelangt waren, lud sich der Onkel den Proviant selbst auf den Rücken und mich obendrein. Wir stiegen und stiegen ...
Insgesamt, also vom Aufbruch in Wan an, brauchten wir fast acht Tage, bis wir zu der Stelle auf dem heiligen Berge kamen, wo, wie der Großvater und der Onkel gesagt hatten, das heilige Schiff ruhte. Dass mich der Onkel gerade in jenem Jahr dort hinführte, hatte seinen Grund wohl darin, dass es ein mildes Jahr mit nicht viel Schnee war, so wie es dort nur alle zwanzig Jahre eines gibt. Und dann kamen wir an die Arche. Um uns herum wurde es neblig und dunkel. Der Onkel warf sein Bündel ab, und gemeinsam begannen wir, gegen die Seite des Schiffes Steine hochzuschichten. Nicht lange, und wir hatten einen hohen Stapel, eine richtige Treppe aufgetürmt. ›Komm her‹, sagte der Onkel und zog mich am Arm zu sich heran. ›Du wirst jetzt auf das heilige Schiff hinaufklettern.‹
Damit hob er mich auf seine Schultern und stieg so mit mir die Steine hinauf. Als er oben angelangt war, packte er mit beiden Händen meine Knöchel und begann, mich hochzuschieben. ›Fass nach oben‹, rief er. ›Halt dich am Rand fest und zieh dich empor!‹ Als ich mich dann auf dem Dach aufrichtete und hochstellte, konnte ich das ganze Schiff überblicken. Es war sehr lang und vielleicht zwölf Meter hoch. ›Schau in die Arche hinein‹, rief der Onkel zu mir hinauf. ›Such die Luken, vor allem die große. Guck hinein und sag mir, was du siehst.‹ Vor Kälte und auch vor Angst zitternd, schaute ich in die Runde. Ja, die Luke war da, ein großes, gähnendes Loch. Ich spähte in die dunkle Öffnung hinein, sah aber nichts. Dann kniete ich nieder und küsste die heilige Arche. Ihr Dach war mit einer dünnen Schicht von frischgefallenem Schnee bedeckt. Doch als ich etwas davon beiseitefegte, sah ich, dass da grünes Moos wuchs. Ich kratzte ein Stückchen ab – und es kam Holz zum Vorschein. Die Maserung war deutlich zu erkennen. Durch dieses Moos fühlte sich die Arche weich und wie vermodert an. Ich erinnere mich, dass sich auf dem Dach außer der einen großen Öffnung noch lauter kleine befanden. Und zwar von vorn bis hinten durch. Wie viele, kann ich nicht genau sagen, aber es müssen mindestens fünfzig gewesen sein; sie zogen sich in kleinen Abständen das ganze Mittelstück entlang. Der Onkel erklärte mir, das wären Belüftungslöcher. Das Dach war flach bis auf eben jenen erhöhten schmalen Teil mit den Löchern, der vom Bug bis zum Heck reichte. Ich weiß auch noch, dass der Onkel sein Gewehr nahm und in die Wand der Arche schoß, die Kugel aber nicht eindrang. Danach zog er sein langes Jagdmesser aus dem Gürtel und hämmerte mit dem schweren Griff ein winziges Stück Holz von der Wand los. Dann stiegen wir den Berg wieder hinab und kehrten nach Wan zurück.
Ich habe die Arche dann noch einmal gesehen. Wenn ich mich recht erinnere, war das 1904. Wir waren auf Wallfahrt am Berg, um nach heiligen Blumen zu suchen, und da ging ich wieder zur Arche hin. Sie sah noch ganz genauso aus, es hatte sich nichts verändert. Diesmal stieg ich nicht hinauf aufs Dach, sondern blieb an der Seite, sodass ich mir die ganze Arche gut anschauen konnte. Sie ruhte auf einem steil abfallenden, an die 800 bis 900 Meter breiten Felsplateau aus bläulich-grünem Gestein. Unter anderem fiel mir auf, dass überhaupt keine Nägel zu sehen waren, das ganze Schiff schien aus einem einzigen Stück von versteinertem Holz gebaut.«
In einem alten Traktat wird das Erlebnis des Russen Wladimir Raskowitski geschildert: »Ich umkreiste den schneebedeckten Berg einigemal und flog dann auf der Südseite desselben abwärts, als ich dort einen kleinen Gebirgssee erblickte, der wunderbar schön aussah, aber auf der Schattenseite noch überfroren war. Wir kreisten länger umher und kamen wieder näher, um den schönen Anblick noch einmal zu genießen. Plötzlich drehte sich mein Begleiter um, und fing an etwas zu rufen, indem er auf die Seite des kleinen Sees zeigte, wo das Wasser seinen Abfluss hatte. Ich blickte hin und bin vor Erstaunen fast ohnmächtig geworden. ›Ein Unterseeboot‹, rief ich aus. Nein, das war es nicht, denn es hatte kurze und dicke Masten und das Dach war abgerundet. Welch sonderbar aussehendes Fahrzeug. Es sah so aus, als ob der damalige Schiffbauingenieur erwartet hätte, dass die Wogen darüber hinwegrollen sollten. Es war so gebaut, dass es sich gleich einem großen Baumstamm im Wasser wälzen konnte, und die kurzen, dicken Masten konnten genügend Segel aufnehmen, um es so zu halten, dass es die Wellen bei stürmischem Wetter vor sich hat. ( Jahre hernach sah ich auf den großen Seen sogenannte ›Walfischrücken‹, mit ebensolchen abgerundeten Verdecken, die zum Transport der Erze gebraucht wurden.) Wir flogen abwärts und so nahe heran, wie wir es ungefährdet tun konnten, und umkreisten die Stelle mehrmals. Zu unserem Erstaunen bemerkten wir, dass der hölzerne Bau, den wir sahen, sehr groß war, von der Größe eines modernen Kriegsschiffes. Dieses Wrack befand sich am Ufer des erwähnten Gebirgssees, und war ungefähr ein Viertel unter Wasser. Auf der einen Vorderseite war es teilweise abgerissen, und auf der andern Seite war eine große Öffnung, ungefähr 20 Fuß im Quadrat, aber die Türe fehlte. Dies schien außerordentlich, da man heute selbst auf den größten Schiffen kaum halb so große Eingänge macht. Nachdem wir alles, was wir vom Flugzeug aus sehen konnten, gesehen hatten, flogen wir zurück zum Landungsplatz. Als wir von unserm Fund erzählten, wurde viel gelacht. Man wollte uns nicht glauben, was wir den Leuten auch kaum verdenken konnten. Es würde zu weit führen, alle Bemerkungen anzuführen, die gemacht wurden. Der Kapitän hingegen nahm die Sache ernst, er stellte eine Anzahl Fragen und sagte dann: ›Nehmt mich dorthin, ich will mir die Sache selbst ansehen.‹ Wir flogen hin und kehrten dann wieder zu dem Landungsplatz zurück. ›Was halten Sie davon‹, frug ich den Kapitän, als er aus dem Flugzeug stieg. ›Es ist erstaunlich‹, sagte er. ›Wissen Sie, was für ein Schiff das ist, das Sie dort oben gesehen haben?‹ – ›Nein, das weiß ich nicht.‹ – ›Haben Sie jemals von der Arche Noahs gehört?‹ – ›Ja, das wohl, aber ich verstehe nicht, wie die Legende von der Arche Noahs mit diesem so befremdend aussehenden Ding, vierzehntausend Fuß hoch auf dem Gebirge, in Verbindung gebracht werden könnte.‹ – ›Dieses befremdend aussehende Ding, wie Sie es nennen, ist die Arche Noah‹, sagte der Kapitän. ›Nahezu fünftausend Jahre lang hat sie dort geruht. Da es dort neun oder zehn Monate im Jahr nicht auftaut, sondern fest gefroren bleibt, ist das Holz nicht verfault. Sie war sozusagen in einem Kühlraum die ganze Zeit hindurch aufbewahrt. Sie haben die wunderbarste Entdeckung unseres Zeitalters gemacht.‹«
Im gleichen Heftchen wird ein weiterer Augenzeuge aufgeführt:
»Im Sommer des Jahres 1948 wurde das armenische Hochland von einer außerordentlichen Hitzewelle heimgesucht, sodass auch die höchsten Berge ihrer jahrtausendealten Schnee- und Eisschichten beraubt wurden. Als nun ein kurdischer Bauer namens Mehmet Rachid im Monat September eines Tages den Berg Ararat bestieg, blieb er in einer Höhe von etwa 3500 Metern plötzlich erstaunt stehen. Er erblickte nämlich auf einem Plateau des Berges ein riesiges, schiffähnliches Gebilde, das er bei früheren Besteigungen nie gesehen hatte, weil der ewige Schnee es verborgen gehalten hatte. Er kletterte so nahe wie nur möglich heran und stellte fest, dass es von vorne gesehen einem großen, dreistöckigen Hause glich. In der Länge ragte die eine Hälfte unbedeckt aus der Erde hervor, während die andere Hälfte des versteinerten Riesenschiffes von Geröll- und Erdmassen verschüttet war. Es war dem Bauer bald klar, dass er den vielleicht wertvollsten archäologischen Fund aller Zeiten gemacht hatte; die in der Bibel genau beschriebene, jetzt etwa 4500 Jahre alte Arche Noahs lag da vor ihm.«
Diese Berichte, publiziert und verteilt in Evangelisationsschriften und Büchern, waren über Jahrzehnte ein Glaubenszeugnis mit großer Überzeugungskraft in der christlichen Szene. Zusammen mit den Funden Navarras (mehr darüber im nächsten Kapitel) waren sie die Grundlage der Annahme, dass die Arche Noah existiert – und zwar auf dem Berg Ararat. Umso größer war später die Ernüchterung, als sich die Belege nach und nach in Luft auflösten oder zumindest nicht bestätigen ließen.
Bevor die »Sensationen« Navarras ausführlich beschrieben werden, noch ein paar Worte über einen weiteren »Augenzeugen«, Ed Davis: Der amerikanische Soldat war während des Zweiten Weltkriegs im Iran stationiert und hatte 1943 die Gelegenheit, den Ararat zu erklimmen. Aus nächster Nähe konnte er angeblich die Arche sehen, die wohl in zwei Teile zerbrochen war. Seine Angaben wurden von Elfred Lee aufgearbeitet und mit anderen Augenzeugen verglichen. Nach Lees Forschungen passten manche der Berichte gut zusammen und brachten ihn zur Schlussfolgerung, die Arche müsse kurz zuvor in zwei Teile zerbrochen sein, denn frühere Sichtungen beschrieben die Arche als in einem Stück.
Weiter zu Kapitel 8: »Sensationen über Sensationen«