von Timo Roller

Seit dem 30. März 2021 bin ich dreimal in Israel gewesen, einmal davon beim Präsidenten Jitzchak Herzog, einmal mit meiner ganzen Familie, ein weiteres Mal für Filmaufnahmen für das Projekt »#schalom75«. Dieser Film sowie »Schäferlauf300plus« waren erfolgreiche Videoprojekte in den letzten Jahren. Darüber hinaus habe ich an vielen Papierblatt-Veranstaltungen mitgewirkt und seit dem 7. Oktober 2023 verstärkt Öffentlichkeitsarbeit gemacht für das Werk Zedakah – im Zeichen des Bibelverses »Tröstet, tröstet mein Volk«.
Im Oktober 2025 war ich nach zwölf Jahren erneut in der Südosttürkei am Fuße des Arche-Noah-Bergs Cudi. Ich habe einige neue Erkenntnisse gewonnen und Vorträge gehalten.
Ich habe Urlaube auf Fuerte Ventura, in Südtirol und an der Nordsee verbracht, bin zweimal in Österreich beim Formel-1-Rennen gewesen und durfte meine Kinder auf dem Weg ins Erwachsenwerden begleiten.
In der Kirchengemeinde und im Bezirk habe ich manche Entwicklungen aktiv mitgestaltet, war immer wieder mal zu Predigtdiensten und Vorträgen eingeladen und konnte den einen oder anderen Gedankenanstoß geben.
Im letzten Jahr hat MORIJA die Verlagstätigkeiten intensiviert, wir konnten das Buch »Der Kreis Calw in der Zeit des Nationalsozialismus« publizieren und recht erfolgreich verkaufen. Die nächsten vielversprechenden Projekte stehen an.
Seit dem 30. März 2021 konnte ich 1826 Tage erleben und war überwiegend gesund.
Am 30. März 2021 habe ich die erste Dosis »Rituximab« injiziert bekommen (ein »monoklonaler Antikörper«). Dies war der Auftakt zu einer 18-wöchigen Chemotherapie gegen die potenziellen Überreste eines »diffus-großzelligen B-Zell-Lymphoms«, das mir am 9. Februar 2021 operativ entfernt worden war.

Die Nachsorgezeit ist nun fast vorbei, ich bin geheilt und dankbar, dass ich leben darf, trotz geringfügiger Einschränkungen. Und doch hat mich die Zeit vor fünf Jahren, über die ich in meinem Blogbeitrag »Meine Hiobsbotschaft« ausführlich berichtet habe, geprägt und verändert. Ich bin vorsichtiger geworden, nachdenklicher, besorgter – aber auch und dankbarer und zuversichtlicher.
Doch die positiven Eigenschaften scheinen mehr aus meinem Kopf zu kommen, die negativen kommen aus dem Bauch, aus dem Herzen. Ich muss ständig daran arbeiten, vor dem Herrn im »Lande der Lebendigen« zu wandeln, wie ich damals aus Psalm 116 zitiert hatte. Oder noch schwieriger, der Vers aus Jesaja 38, »die da leben, loben dich so wie ich heute«.
Damals hatte das Leben diese eine Herausforderung: durchhalten; und langfristig: überleben. Heute gibt es wieder viele Herausforderungen, kleinere, verwirrende, das Leben ist unübersichtlich. Zukunft und Ziele sind unklarer.
Bin ich Gott näher als damals? Wenn ich meine öffentlichen und nichtöffentlichen Artikel und Tagebucheinträge von damals lese, stelle ich mir selbst viele Fragen. Viele Eigenheiten sind wiedergekommen, vieles ist gleichgeblieben. Aber es sich auch einiges entwickelt und verändert. Natürlich bin ich auch fünf Jahre älter geworden, erfahrener, vielleicht einfühlsamer und kompromissbereiter. Undogmatischer.
Über die Nachricht eines mir bis dahin unbekannten »Followers« habe ich mich damals sehr gefreut: »Mit Schrecken habe ich von Ihrer Hiobsbotschaft gelesen. Ich bete für Sie und hoffe, dass Ihnen das Wort Gottes und Ihre bisherige Forschungsarbeit als Bibelabenteurer und das Leben in der Gemeinschaft mit dem lebendigen Herrn Jesus Christus Zuversicht, Kraft und Vertrauen schenken, diese schwere Zeit zu überstehen. Ich möchte Ihnen danken für Ihre Arbeit, die mich immer wieder begeistert und bestärkt, allem zu glauben, was in der Bibel steht. Besonders Ihr Buch über den Landeplatz der Arche Noah hat mich sehr geprägt und fasziniert. Ich möchte Sie ermutigen, nach überstandener Krankheit Ihre Arbeit weiterzuführen als Segen für viele Menschen. Der Herr segne Sie und möge Sie bald gestärkt aus dieser Krise führen.«
Ich habe meine Arbeit weitergeführt, bin auf die eine oder andere Weise gestärkt aus der Krise hervorgegangen – und bin dankbar, dass ich nach meiner Berufung leben kann, die ich für mich erkannt habe und zu der hin sich mein Beruf entwickelt hat.
Damals habe ich mich mit König Hiskia beschäftigt, speziell auch mit dem oben zitierten Danklied aus Jesaja 38 – und mit der Verheißung, die Gott ihm gab: »Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Siehe, ich will deinen Tagen noch fünfzehn Jahre zulegen« (Jesaja 38,5). Diese Verheißung habe ich auch auf mich bezogen. Ich schrieb in einem Artikel mit dem Titel »Fünfzehn weitere Jahre«:
»2036. Immer wieder denke ich über die 15 Jahre nach, die Gott Hiskias Leben hinzutun wollte. Sind 15 Jahre zusätzliche Lebenszeit viel? Oder wenig? Bekomme ich mehr als 15 Jahre? Oder weniger? Ich glaube nicht, dass ich die Zusage Jesajas an Hiskia wörtlich auf meine Situation übertragen sollte. Ich sehe sie vielmehr als Verheißung, dass ich eine Zukunft habe, in der ich meinen Dienst im ›Lande der Lebendigen‹ weiterführen darf. Ich darf planen und Visionen entwickeln. Aber noch viel mehr als früher im Bewusstsein, dass unsere Zeit hier auf Erden ein Geschenk ist, dass diese Zeit in Gottes Händen steht und sich unweigerlich dem Ende zuneigt. Und auch unsere Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit, das macht uns auch die Corona-Situation bewusst. Nur, das muss uns nicht verzweifeln lassen, denn als Christen haben wir einen unbezahlbaren Mehrwert: die Hoffnung auf Ewigkeit in der Gegenwart Gottes.«
Im Danklied Hiskias heißt es: »Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Der HERR hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des HERRN!«
Diese Verse sind nicht ganz einfach zu verstehen und stellen sich zu vielen anderen Bibelstellen etwas quer, aber ich möchte sie häufiger durchbuchstabieren und durchbeten. Ich lebe, darum will ich Gott immer wieder neu loben und seine Treue kundmachen! – Ein guter Vorsatz für die nächsten fünf Jahre.
Meine Veröffentlichungen zum Thema:
»Etwas Warmes braucht der Mensch!«
Artikel in der Zeitschrift »Factum:«
Als YouTube-Vortrag: 15 weitere Jahre – Bibelabenteurer auf Youtube: Folge 3
Artikel in der Zeitschrift »Faszination Bibel«: