Bisher konnten weder am Ararat noch am Berg Cudi eindeutige Überreste der Arche gefunden werden. Die Forschungsgeschichte der Arche Noah ist geprägt von Irrtümern, Fälschungen und vergeblichen Bemühungen. Die Analyse der historischen Quellen und der Baugeschichte auf dem Gipfel des Cudi Dagh zeigt allerdings, dass es gute Gründe gibt, dort den Landeplatz der Arche Noah zu vermuten. Ich habe versucht darzulegen, dass die Bibel in ihren ersten Kapiteln von tatsächlichen Ereignissen der frühen Menschheitsgeschichte berichtet. Viele außerbiblische Quellen deuten darauf hin, dass noch bis weit ins erste nachchristliche Jahrtausend hinein eindeutig identifizierbare Überreste der Arche auf dem Gipfel des Cudi-Berges existiert haben. Nach dem überlieferten Brand im Jahr 776, weiteren Jahrhunderten von Pilgerfahrten dorthin und den Einflüssen von Regen, Wind und Schnee sind vermutlich keine oberflächlich sichtbaren Spuren des biblischen Schiffes mehr vorhanden.
Und doch gab es auch in jüngster Vergangenheit Funde von Holzstückchen, die selbst einen namhaften Geologen verwunderten, sowie von Metallnägeln in beachtlicher Größe, die von Einheimischen immer wieder entdeckt worden sein sollen. Außerdem gibt es noch immer eine reichhaltige Lokaltradition in der Provinz Sirnak, von der ich mich selber überzeugen konnte. Auf den Handtüchern des Hotels, auf der Plastiktüte vom Supermarkt, auf Bussen, Plakatwänden und Schildern: Noah und die Arche sind rund um den Berg Cudi allgegenwärtig.
Das Rätsel der Arche Noah ist nicht gelöst. Aber ich bin überzeugt: Wenn man eines Tages auf dem Gipfel des Cudi-Berges an der richtigen Stelle mit dem Spaten in die Erde sticht und archäologische Ausgrabungen beginnen wird, sind vielversprechende Funde möglich.
Am Ende meines Vortrages während des Noah-Symposiums in Sirnak habe ich es so formuliert:
»Ich glaube nicht, dass man eine intakte Arche finden wird, wie man sich dies am Berg Ararat erhofft. Wenn die Arche auf dem Berg Cudi gelandet ist – und ich bin mir sicher, dass es so war – werden sich nur sehr wenige Überreste bis zum heutigen Tag erhalten haben. […] Aber es könnte möglich sein, die Fundamente und Reste von Gebäuden zu finden, die auf dem Gipfel gebaut worden sind, und von denen wir nur noch spärliche Ruinen sehen. Das Kloster, das im 8. Jahrhundert abgebrannt ist, oder die Festung, die Sanherib etwa 1500 Jahre zuvor erobert hat, wären aussichtsreiche Ziele für archäologische Ausgrabungen. Und falls man verfaulte Überreste einer hölzernen Struktur finden würde, könnte dies eine plausible Erklärung für die Frage liefern: Waren die sinkenden Wasser der Sintflut in den Tagen Noahs tatsächlich in der Lage, ein riesiges Schiff sanft auf einem Gipfel abzusetzen, den die Muslime als ›Al Cudi‹ kennen und den die Christen schließlich als einen jener Berge erkennen würden, die in der Bibel beschrieben sind als die ›Berge von Ararat‹?«
